Sieben ungewöhnliche Orte in Baden-Württemberg – warum sich ein Besuch lohnt
Mit dem Boot unter die Erde, das Vorbild der Golden Gate Bridge bestaunen oder durch die engste Gasse der Welt laufen – Baden-Württemberg steckt voller kurioser Orte. Wir präsentieren sieben Ausflugsziele, die nicht in jedem Reiseführer zu finden sind.

Für kuriose und spannende Eindrücke braucht es keinen teuren Flug auf die andere Seite des Globus – Baden-Württemberg bietet vielerlei Ausflugsziele, die definitiv für eine Abwechslung aus digitalem Alltag und Besuchen in den immergleichen Cafés sorgen. Das Beste daran: diese Orte sind ganz praktisch und klimafreundlich mit Bus und Bahn erreichbar.

Wimsener Höhle – 70 Meter tief ins Höhleninnere
Ein Bootsausflug unter die Erde? Die Wimsener Höhle im Aachtal zwischen Hayingen und Zwiefalten macht es möglich – Deutschlands einzige aktive Wasserhöhle, die befahrbar ist. Von insgesamt 1.260 Metern Länge sind bereits 1.000 Meter erforscht, und auf einem kleinen Boot, einem sogenannten Nachen, führt der Fährmann die Besucher:innen bis zu 70 Meter ins Höhleninnere, während er über Geologie, Geschichte und das Karstgestein informiert.
Bushaltestelle Wimsener Höhle
z. B. von Sigmaringen (1:06 h), Ulm (1:31 h), Reutlingen (1:19 h)

Wangen Turm – Holz, das sich selbst formt
Seit 2024 steht der 23 Meter hohe Wangen Turm auf dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände. Seine gewundene Form aus Brettsperrholz ist nicht nur ein Hingucker, sondern auch aus technischer Perspektive spannend: Die weltweit erste begehbare Konstruktion aus selbstformenden Holzbauteilen nutzt das natürliche Verhalten von Holz beim Trocknen. Zwei Fichtenschichten mit unterschiedlicher Feuchtigkeit verformen sich beim Trocknen in die millimetergenau vorausberechnete Form. Über 113 Stufen gelangt man auf die transparente Aussichtsplattform und genießt einen Rundumblick auf die mittelalterliche Stadt Wangen, die Mäandern der Argen-Auen und die schneebedeckten Gipfel der Alpen.
Bahnhof Wangen
z. B. von Ravensburg (0:40 h), Kempten (1:20 h), Ulm (1:30 h)

Mit bwegt dem Donautal entlang
Über der Donau wandern? Das geht in Tuttlingen – denn hier verschwindet der Fluss auf einzigartige Weise in den Untergrund: Das Wasser versickert und taucht zwölf Kilometer weiter südlich wieder auf, um über die Radolfzeller Aach in den Bodensee und schließlich in die Nordsee zu fließen. Führt der Fluss zu viel Wasser, bleibt der Rest im Flussbett und fließt auf rund 2800 Kilometern ins Schwarze Meer.
Schon am Oberlauf zeigt die Donau ihre Schönheit: In Donaueschingen vereinen sich Brigach und Breg, dazu kommen der kurze Donaubach und viele kleine Zuflüsse. Kaum hat die Donau die Stadt verlassen, versickert ein Großteil des Wassers zwischen Immendingen und Fridingen in sogenannten Schlucklöchern. Nach rund zwei Tagen tritt es 183 Meter tiefer an der Aachquelle im Hegau wieder aus – der wasserreichsten Quelle Deutschlands.
Vollständig verschwindet die Donau an rund 200 Tagen im Jahr, insbesondere in den Sommermonaten. Dann lässt sich das Flussbett trocken durchwandern und versteinerte Schnecken und Muscheln aus dem Jurameer entdecken.
Tuttlingen Bahnhof
z. B. von Schwenningen (0:36 h), Stuttgart (1:33 h), Freiburg (2:03 h)

Zeitreise zwischen Obst und Architektur
Lust auf einen kleinen Ausflug ins Grüne? Im Botanischen Obstgarten Heilbronn stehen 14 historische Gartenhäuser zwischen alten Obstsorten und Beeten. Vom gestreiften Geräteschuppen über einen maurischen Pavillon bis zum mittelalterlichen Weinberghäuschen erzählen die Lauben alle ihre eigene Geschichte. Die ältesten Lauben stammen aus dem 16. Jahrhundert. Die maurische Musiklaube von 1877 bildet das Herz eines symmetrischen Gartens, der durch hohe Hainbuchenhecken abgegrenzt ist und ein langes Brunnenbecken als Spiegelachse hat.
Ein besonderes Highlight ist das Eisenbahn-Gartenhaus: ein Fragment eines Waggons von 1847, das heute als Laube im Park dient.
Das Gelände am Fuße des Wartbergs hat außerdem eine vielfältige Vergangenheit: 1859 als Knabenarbeitsanstalt gegründet, später als städtisches Obstgut und Baumschule genutzt, wurde es 1998 als Landschaftspark eingerichtet. Der Förderverein Garten- und Baukultur brachte die historischen Lauben hierher, pflanzte alte Obstsorten wie Jakob Fischer, Schweizer Glockenapfel oder Ontario und legte Themengärten an.
Bahnhof Heilbronn
z. B. von Stuttgart (0:41 h), Karlsruhe (1:07 h), Mannheim (1:16 h)

Golden Gate Bridge am Bodensee: Die Argenbrücke
Die Konstruktion gilt als technische Meisterleistung: Die Kabelhängebrücke über die Argen diente dem berühmten Wahrzeichen San Franciscos als konstruktives Vorbild. Auf der Weltausstellung 1900 in Paris wurden die Baupläne der drei Jahre zuvor errichteten Brücke über der Argen präsentiert. Zahlreiche Hängebrücken auf der ganzen Welt orientierten sich daran. Heute ist die Argenbrücke zwischen Langenargen und Kressbronn die älteste erhaltene Kabelhängebrücke Deutschlands.
Die Argenbrücke hat jedoch auch dramatische Momente erlebt: 1944 beschädigte ein Luftangriff die Brücke, 1945 wollte die Wehrmacht sie sprengen. Albrecht Auer und Mitstreiter verhinderten die Zerstörung, indem sie die Zündkabel durchtrennten. Noch heute zeugen Spuren der Reparaturen von diesen Ereignissen.
Bahnhof Langenargen
z. B. von Ravensburg (0:24 h), Ulm (1:16 h), Stuttgart (2:40 h)

Felsformation „Küssende Sau“ – Blaubeuren
Felsen, die sich lieben? Das gibt es in der Schwäbischen Alb zu sehen. Denn mitten im Wald zwischen Blaubeuren und Weiler ragt eine markante Felsformation hervor, die mit etwas Fantasie zwei küssende Schweine zeigt. Die „Küssende Sau“ befindet sich am steilen Südhang der Weiler Halde im Achtal und bildet ein Tor, durch das Wanderer hindurchgehen können.
Die Formation lässt sich besonders gut auf dem Blaubeurer Felsenstieg erkunden, einem rund zehn Kilometer langen Wanderweg, der die Höhepunkte der Umgebung verbindet, darunter auch den Blautopf. Der Weg ist gut ausgeschildert und startet an der Ehinger Straße in Blaubeuren.
Bahnhof Blaubeuren
z. B. von Ulm (0:11 h), Biberach/Riß (0:40 h), Göppingen (1:19 h)

Nichts für Gegenverkehr: die engste Gasse der Welt
Die Spreuerhofstraße in Reutlingen gilt seit 2007 laut Guinnessbuch der Rekorde als die engste Straße der Welt. An ihrer schmalsten Stelle misst sie nur 31 Zentimeter – deutlich weniger als die durchschnittliche Körperbreite von etwa 40 Zentimetern. Wer hier hindurchgeht, muss sich seitlich durchzwängen; ein Messgerät am Eingang zeigt, ob der eigene Körperumfang passt.
Die Gasse entstand nach dem verheerenden Stadtbrand von 1726, der vermutlich durch eine brennende Kerze ausgelöst wurde. Ein Großteil der mittelalterlichen Stadt wurde zerstört, rund 7.000 Menschen verloren ihre Wohnungen. Beim Wiederaufbau entstand die Spreuerhofstraße, die seitdem ein ungewöhnliches Relikt der Stadtgeschichte ist.
Bahnhof Reutlingen
z. B. von Tübingen (0:10 h), Kirchheim/Teck (0:29 h), Böblingen (1:13 h)
Magazin-Artikel veröffentlicht am 12.11.2025

