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Mehr als ein Verkehrsmittel: Im Zug arbeiten und zur Ruhe kommen

Während der Fahrt mit dem Zug arbeitet Thomas Adam, Kulturchef von Bruchsal, besonders konzentriert: Der Historiker reist konsequent mit der Bahn und nutzt die Zeit zum Lesen, Schreiben und Nachdenken. Ein Porträt über einen Mann, für den Zugfahren ganz selbstverständlich zum Alltag gehört.

Ein Mann mittleren Alters mit grauen Haaren und grauem Bart lächelt in die Kamera. Er trägt ein Hemd und eine offene Jacke. Neben ihm sind noch Icons von einem Fahrrad, einer Bahn und zwei Haltepunkten zu sehen.

Thomas Adam, Kulturchef von Bruchsal, fährt jeden Tag mit dem Zug. Für ihn ist der Zug nicht nur ein Verkehrsmittel, sondern ein Ort, an dem er konzentriert arbeitet oder zur Ruhe kommt.

Einen Führerschein besitzt er erst gar nicht. Denn Adam ist überzeugt von dem Mehrwert der öffentlichen Verkehrsmittel – was vielleicht auch mit seinem familiären Hintergrund zusammenhängt. Schon sein Großvater arbeitete bei der Eisenbahn, sein Vater war Rangierer. Und auch sein Bruder besitzt keinen Führerschein. „Bei uns in der Familie gab es drei Fortbewegungsmittel: Fuß, Fahrrad und Bahn.“ Das sei auch der Lage zu verdanken, in der Adam aufgewachsen ist – in Untergrombach an der Hauptstrecke Karlsruhe – Heidelberg, einer der ältesten badischen Bahnstrecken. „Die Züge fuhren für damalige Verhältnisse sehr häufig. Das hat unsere Mobilität von klein auf ermöglicht.“

Die Begeisterung für die Bahn ist bei Adam allerdings frei von Ideologie. Seine Frau arbeitet in der Automobilindustrie und fährt täglich mit dem Auto zur Arbeit. „Da haben sich zwei gefunden“, kommentiert er das schmunzelnd. Dank der Nähe zum Hauptbahnhof Karlsruhe sind seine täglichen Fahrten unkompliziert und er kann die Zeit produktiv nutzen, ohne zu viel über Verbindungen nachdenken zu müssen. Die verbesserte Taktung und der gestiegene Komfort machen das Reisen mit dem Zug für ihn noch angenehmer.

Jüngerer Mann sitzt in einem bwegt-Zug, arbeitet fokussiert am Laptop mit Kopfhörern in den Ohren.
Arbeiten oder Lesen? Die Zeit im Zug kann genutzt werden.

Bücher schreiben statt im Stau stehen

Ein weiterer Vorteil: Auf der Strecke Karlsruhe – Bruchsal fährt mehrmals in der Stunde ein Zug. Adam geht meist einfach zum Bahnhof und steigt in den nächsten ein, der kommt. „Wenn in 20 Minuten der nächste Zug fährt, würde ein Autofahrer vermutlich denken: Was, 20 Minuten warten?“ Diese Minuten sind für ihn allerdings alles andere als verloren. Denn während der Wartezeit und der anschließenden Fahrt korrigiert er Manuskripte, liest oder macht Notizen – die Zugfahrt gehört zu seiner produktivsten Zeit. „Vieles von dem, was ich publiziert habe, wäre ungeschrieben geblieben, wenn ich Auto gefahren wäre.“ Adam macht vor: selbst in einem vollen Zug kann man sich konzentrieren, auch wenn etwas Übung dazugehört. „Wenn ich meinen Text vor mir habe, verschwimmt alles andere. Ich bin dann bei mir.“

Doch auch von Verspätungen und Zugausfällen bleibt Adam nicht verschont. Eigentlich ist er in seinem Beruf zeitlich flexibel, bei abendlichen Vorträgen dagegen ist er stärker auf Pünktlichkeit angewiesen. Dennoch kommt das Auto aus vielerlei Gründen nicht in Frage: „Nach einem zweistündigen Vortrag bin ich müde, da hätte ich Bedenken, noch Auto zu fahren.“ Zugfahrten bieten für ihn außerdem Gelegenheiten zum Kontakte knüpfen: Kürzlich traf er den Leiter eines Tanzensembles – für ihn ist das auch beruflich ein interessanter Kontakt.

Sein Rat an Autofahrer:innen, die über einen Umstieg nachdenken: „Ich empfehle, die Zugfahrt als Zeit anzusehen, in der man wirklich etwas Nützliches tun kann. Ich schätze es sehr, mich im Zug auf andere Dinge konzentrieren und zurückzulehnen zu können.“

Magazin-Artikel veröffentlicht am 08.01.2026

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