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Gravel-Tour

Lieblingsrunde im Naturpark

Wer sich nicht entscheiden kann, ob er oder sie aufs Mountainbike oder auf Rennrad steigen soll, sollte vielleicht mal ein Gravel-Bike testen. Es vereint die Geländetauglichkeit und Robustheit des Mountainbikes und die Leichtigkeit und Verspieltheit des Rennrads. Hannes Bertsch aus Tübingen hat die Leidenschaft vor drei Jahren entdeckt. Der 42-jährige Lehrer fährt inzwischen acht- bis zehntausend Kilometer im Jahr. Hier präsentiert er eine Tour durch den Schönbuch.

Nicht auszudenken, was wäre, wenn sich die Landesregierung durchgesetzt hätte. Mitte der 1960er-Jahre plante sie den Neubau eines Großflughafens mitten im Schönbuch. Stuttgart II wäre das Ende des Naherholungsgebiets gewesen. Die »Arbeitsgemeinschaft Schönbuchflughafen« mit dem Tübinger Landrat Oskar Klumpp (»eine Wahnsinnsidee«) an der Spitze, die sich im April 1969 mit Vertretern aus Landkreisen, Gemeinden, Behörden und anderen Organisationen gebildet hatte, hielt massiv dagegen. Am 22. März 1972, vier Wochen vor den Landtagswahlen, adelte CDU-Ministerpräsident Hans Filbinger den Schönbuch per Grundsatzbeschluss zum ersten Naturpark des Landes. Die Rettung. Der Schönbuch ist jetzt das größte zusammenhängende Waldgebiet der Region Stuttgart – wie gemacht für ausgedehnte Gravel-Touren vor der Haustür. Unsere führt in drei Schleifen mitten durch das Naherholungsgebiet und sollte keine Wünsche offen lassen.

Lieblingsrunde. Ausgearbeitet hat die gut 58 Kilometer lange und mit 710 Höhenmetern gewürzte Gravel-Tour Hannes Bertsch. Der 42-Jährige hat der GEA-Radserie »Fest im Sattel« schon bei der ersten Auflage im vergangenen Jahr eine seiner Lieblingstouren durch den Schönbuch zur Verfügung gestellt. Der Schönbuch war erneut unser Wunsch, ebenso der Start- und Schlusspunkt bei E-Bike Limbächer. Kein Problem für Hannes Bertsch. Der Tübinger hat das Gravel-Rad erst vor drei Jahren entdeckt, ist ihm seither aber derart leidenschaftlich zugetan, dass er schon viele Zigtausend Kilometer damit abgespult hat. Im Gedächtnis und auf seinem Rad-Computer hat er unzählige Traum-Touren abgespeichert.

Spaß. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es auch bei Fahrrädern nicht. Das Gravel-Rad, diese Mischung aus Rennrad und Mountainbike, bezeichnen viele aber als das Beste aus zwei Welten. Wer’s probiert hat, weiß schnell, dass das Schotter-Rad – gravel heißt auf Englisch nichts anderes als Schotter – keine Erfindung der Rad-Industrie ist, um noch mehr Drahtesel zu verkaufen. Sondern tatsächlich ein Ding, das die Vorteile des Rennrads (leicht, schnell) mit denen des Mountainbikes (robust, geländegängig) verknüpft. Auf einem Waldweg mit einem MTB mit viel Federweg zu fahren ist ungefähr so sinnvoll wie mit einem SUV in der Stadt zum Einkaufen zu fahren. Wer sportlich durch den Wald flitzen will, hat auf einem Gravel-Bike wesentlich mehr Spaß als auf dem guten, alten Trekking-Rad, das es auch noch gibt, aber um einiges behäbiger daherkommt, schon wegen der Sitzposition. Mit einem gut aufgepumpten Gravel kann man auch auf den Asphaltpassagen richtig schön Tempo machen. Ein Spaßgerät erster Güte.

Unfall. Dazu gekommen ist Hannes Bertsch eher per Zufall. Genau genommen war’s ein böser Sturz beim Mountainbiken auf dem Franz-Trail, der von Wankheim ins Französische Viertel in Tübingen führt. Nach dem Abflug über den Lenker wusste er ganz schnell, dass er das Schlüsselbein gebrochen hatte. Das Metall, das ihm die Chirurgen in der BG Tübingen eingezimmert hatten, kam erst im Oktober raus. Das MTB ließ er erst mal stehen und schaffte sich ein Gravel-Bike an. Der Beginn einer großen Liebe. Seither fährt der 42-Jährige zwischen acht- und zehntausend Kilometer im Jahr. Die kommen ganz schnell zusammen, wenn man nicht nur schöne Runden im Schönbuch dreht, sondern auch zur Arbeit fährt. Der Tübinger ist Lehrer an der Ferdinand-von-Steinbeiß-Schule in Reutlingen und fährt fast alles mit dem Rad. Nicht nur in die Schule, sondern auch in die »Box« nach Walddorfhäslach, wo er seinen Körper beim Cross-Fit stählt. Der Modellathlet bringt bei 188 Zentimetern Körpergröße 86 Kilo auf die Waage.

Achtsamkeit. Die Schönbuch-Runde von Hannes Bertsch spulen geübte Graveler locker in fünf Stunden ab. Wer sich im Naturpark nicht nur schinden will, sondern auch die Wunder am Wegesrand genießen will – und das empfiehlt sich unbedingt – braucht länger. Anstatt mit dem Kopf über dem Lenker Kieselsteinchen zu zählen, könnte man am Wildschweingehege anhalten und den Borstenviechern beim Fressen und Spielen zuschauen. Oder ein paar Meter weiter dem Rotwild. Oder gegen Ende der Tour, kurz vor Bebenhausen Schottischen Hochland-Rindern beim Wiederkäuen. Wer da nicht runterkommt, dem kann nicht geholfen werden.

Rast. Es gibt auf unserer Schönbuch-Gravel-Tour mehrere Möglichkeiten, unterwegs einzukehren. Am nordwestlichsten Eck der Runde liegt das »Café Fuchsbau«, das zum Waldhaus bei Hildrizhausen gehört. Die gemeinnützige GmbH ist eine sozialpädagogische Einrichtung der Jugendhilfe. Die Öffnungszeiten: donnerstags bis samstags von 14 bis 21.30 Uhr sowie sonn- und feiertags von 10 bis 19 Uhr. Wer bei E-Bike Limbächer in K’furt startet, wird nicht gleich einkehren wollen, sonst könnte die Tour arg lang werden. Aber vielleicht hinterher. Direkt am Baggersee betreiben Clemens und Vildana Vohrer das »K’ufer«. Geöffnet ist der Biergarten täglich von 11 bis 20.30 Uhr, Essen gibt’s bis 20 Uhr. Wer auf dem Rückweg zwischen Bebenhausen und Tübingen in ein Hungerloch zu fallen droht, hält an der »Goldersbachklause«, die mittwochs, donnerstags, samtags und sonntags von 11.30 bis 19 Uhr geöffnet hat. An der Waldgaststätte gibt’s in Zusammenarbeit mit Transvelo eine Fahrradservicestation.

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