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Hebamme Katrin: „In der U-Bahn habe ich Zeit, mich zu entspannen.“

Katrin Neher ist mit dem ÖPNV zu den werdenden Müttern unterwegs, auch im Lockdown. Die Fahrt mit der Bahn hilft ihr, sich relaxt auf den Tag einzustellen – und sich dann voll auf ihre Patientinnen zu konzentrieren.

Selfie von Hebamme Katrin in einer stuttgarter U-Bahn. Die Bahn ist leer und Katrin trägt eine Mund-Nase-Bedekung.
Hebamme Katrin macht ein Selfie von sich im Kreissaal eines Krankenhauses. Sie trägt einen blauen Kittel und eine medizinische Maske.

Medizinische Masken ist Katrin Neher gewohnt. Für ihre Patientinnen ist sie natürlich auch während des Lockdowns zur Stelle.

Ganz früh morgens oder am Nachmittag ist Katrin Neher mit der U-Bahn unterwegs. Dann, wenn sie sich von ihrer Wohnung in Steinhaldenfeld auf dem Weg macht zum Schichtdienst beim Stuttgarter Marienhospital – in die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Ein kurzer Fußweg nur, einmal umsteigen, dann fährt sie bis zum Erwin-Schoettle-Platz. Nach fünf Minuten hat sie ihren Arbeitsplatz in der Klinik erreicht.

„Ich genieße die 40 Minuten Fahrt mit der U-Bahn“, sagt Katrin Neher. „Ich kann ganz entspannt lesen oder chatten und komme dann ausgeruht an, um mich voll auf meine Patientinnen zu konzentrieren.“ Das Auto nutzt sie mir ihrem Partner nur zum Einkaufen oder wenn – vor Corona – für einen Kurztrip Gepäck mit auf die Reise ging. Zu stressig findet sie die Fahrt durch eine Großstadt wie Stuttgart. Und sie möchte auch nicht unnötig CO2 in die Luft pusten.

Klinik-Hotline für Schwangere

Corona hat die Arbeit der Hebamme mit Bachelor-Abschluss verändert. Für sie und ihre Kollegen gilt während des Diensts die Pflicht zum Tragen einer FFP2-Maske. Auch die werdenden Mütter, die sie betreut, müssen Maske tragen. „Nur nicht direkt bei der Geburt. Das wäre für die Frauen in dieser Situation zu anstrengend“, erklärt Katrin Neher.

Maximal eine Begleitperson, meist der Partner der Schwangeren, darf jetzt noch mit ins Krankenhaus kommen. Für andere Familienangehörige wie Geschwisterkinder oder Freunde ist der Zutritt verboten. „Eine Geburt in Zeiten der Pandemie ist für die meisten Schwangeren mit vielen Fragen und zusätzlichen psychischen Belastungen verbunden“, beschreibt die Hebamme die Situation ihrer Patientinnen. Die Klinik hat deshalb zusätzlich eine Hotline eingerichtet, um Fragen zu beantworten und Ängste zu nehmen.

Das Bild zeigt Katrin von hinten, wie sie den Kreissaal im Krankenhaus betritt.

Der Zusammenhalt unter den Klinik-Kolleginnen hilft in dieser harten Phase. Nur in der Bahn gibt es leider immer weniger Austausch.

Regelmäßig zum PCR-Test

Als Hebamme gehört Katrin Neher zur Gruppe der systemrelevanten Personen. Sie lässt sich regelmäßig auf eine mögliche Infektion mit dem Corona-Virus testen und hält alle Schutzmaßnahmen ein. Sie dürfte sich auch impfen lassen. „Ich bin jung und gesund. Daher lasse ich älteren Menschen den Vortritt beim Impfen“, sagt sie.

„Unter den Kollegen ist der Zusammenhalt unter Corona-Bedingungen gewachsen“, meint die 26-Jährige. „Der Austausch mit ihnen tut gut und entlastet.“  Die Fahrt mit der U-Bahn ist in diesen Tagen dagegen einsamer für sie. „Die Stimmung hat sich verändert. Die kurzen Gespräche mit den anderen Fahrgästen fallen weg und auch das eine oder andere Lächeln“, bedauert Katrin Neher. Aber Sorge vor einer Ansteckung in der U-Bahn hat die Hebamme nicht: „Ich kann immer genügend Abstand halten.“

Fahrplan-Check mit der SSB-App

Aktuell arbeitet die junge Frau in Teilzeit. Anstelle einer Wochen- oder Monatskarte löst sie deshalb Einzeltickets. Das ist jetzt für sie am günstigsten – auch, weil sie eine Zeitkarte für Freizeitfahrten derzeit nicht nutzen könnte, etwa zu einem Abendessen im Restaurant oder zu ihrer Kosmetikerin.

Wenn sich Katrin Neher auf den Weg zum Marienhospital vorbereitet, checkt sie immer rechtzeitig mit der SSB-App auf ihrem Smartphone, ob die U-Bahn pünktlich ist. Schließlich muss sie zuverlässig ihren Schichtdienst beginnen. Nur einmal hat sie das vergessen: Nach einer Spätschicht mit längerer Übergabe an die Kollegen war es nach Mitternacht und sie wollte einfach schnell nach Hause, ohne den vertrauten App-Check. Prompt versäumte sie die U-Bahn. Die nächste am frühen Morgen wäre erst nach dreieinhalb Stunden gefahren. Gut, dass ihr Arbeitgeber da die Rechnung fürs Taxi übernommen hat.

Kontrolliert wurde sie auf ihrem Heimweg nach 20 Uhr noch nie. „Von der U-Bahn aus habe ich Polizei gesehen, die Autofahrer überprüft hat“, berichtet Katrin Neher. Vorbereitet ist sie aber auf diesen Fall. Und hat die Bescheinigung der Klinik dabei, die ihre Arbeitszeiten bestätigt.

Magazin-Artikel veröffentlicht am 11.02.2021

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