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Beitrag zur Verbesserung des Nahverkehrs – Qualifizierung von 45 Flüchtlingen zu Lokführern

Zurzeit gibt es in der Bahnbranche – ähnlich wie in vielen anderen Branchen in Deutschland – einen akuten Fachkräftemangel: Weit mehr als 1.000 Stellen müssen künftig im Schienenpersonennahverkehr allein in Baden-Württemberg neu besetzt werden. Demgegenüber stehen 44.000 Flüchtlinge im gesicherten Status, die arbeitssuchend sind.

© Deutsche Bahn AG / Michael Neuhaus

Mit einem Modellprojekt auf Basis einer Weiterbildungsmaßnahme will das baden-württembergische Verkehrsministerium in Kooperation mit vielen Eisenbahnverkehrsunternehmen im Südwesten, der Bundesagentur für Arbeit, dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie mehreren Transportgewerkschaften künftig bis zu 45 Flüchtlinge zu Lokführerinnen und Lokführern schulen. Um dem Fachkräftemangel in diesem Sektor entgegenzuwirken, wird das Land vom Sommer 2019 an Integrations-Coaches für die Qualifizierung der Flüchtlinge finanzieren. Das Land trägt so zur Verbesserung des Nahverkehrs bei. Gleichzeitig kommen gut integrierte Menschen mit einer qualifizierten Ausbildung schnell und unbürokratisch auf den Arbeitsmarkt und erhalten so eine neue Perspektive.

Die erste Voraussetzung für die Bewerberinnen und Bewerber sind sehr gute Kenntnisse der deutschen Sprache. Niveau B2 oder besser ist die zwingende Voraussetzung. Wichtig sind zudem technisches Interesse und viel Lernbereitschaft, sich in die komplexen Abläufe des Bahnverkehrs einzuarbeiten.

Das Projekt „Qualifizierung Geflüchteter zu Triebfahrzeugführern“, wie es offiziell heißt und das auf dem Programm „Weiterbildung Geringqualifizierter und älterer Beschäftigter in Unternehmen“ (WeGebAU) beruht, hat laut Verkehrsminister Winfried Hermann darum „großes Potential für diesen sehr wichtigen Aufgabenbereich“. Christian Rauch, Leiter der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit, spricht sogar von einem „Modellcharakter“, da das Projekt viele Hemmnisse beseitige, „auf die wir bisher gestoßen sind“. Über einen Zeitraum von insgesamt 15 Monaten sollen die angehenden Lokführer für diesen wichtigen Beruf umfassend geschult werden. Während dieser Zeit erhalten die Geflüchteten rund 2.100 Euro im Monat, da sie bei den Eisenbahngesellschaften als Helfer und nicht als Azubi angestellt werden.

Wichtig: Das Programm „Weiterbildung Geringqualifizierter und älterer Beschäftigter in Unternehmen“ (WeGebAU) können auch deutsche Staatsbürger oder in Deutschland lebende EU-Bürger in Anspruch nehmen und sich damit ebenfalls gefördert zum Lokführer weiterbilden lassen. Jeder lernwillige Neueinsteiger ist willkommen.

Beschlossen wurde das Konzept vor Kurzem bei einem Runden Tisch zum Personalmangel im Regionalverkehr, zu dem das Verkehrsministerium die Eisenbahnbetreiber eingeladen hatte.  Zunächst wird es in drei Modellregionen mit jeweils 15 künftigen Triebfahrzeugführern erprobt: Stuttgart, Karlsruhe/Mannheim und Zollernalb/Hechingen. Neben den Ministerien und Gewerkschaften und anderen Landesinstitutionen beteiligten sich die EVU DB Regio Baden-Württemberg, Abellio, GoAhead, die Südwestdeutsche Landesverkehrs-AG (SWEG), die Württembergische Eisenbahngesellschaft (Transdev), die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) sowie die MEV Eisenbahn-Verkehrsgesellschaft, ein Personaldienstleister im Schienensektor.

Die offizielle Pressemitteilung des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg kann man hier einsehen. Darin finden sich auch alle wichtigen Fragen & Antworten zum Projekt in aller Kürze zusammengestellt.

Infos über das Weiterbildungsprogramm, das auch für Deutsche gilt, gibt es hier.

Magazin-Artikel veröffentlicht am 18.01.2019