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Malerei Ausstellung, Baden

Hennric Jokeit: Diagnosing Hope

Gibt es eine Verwandtschaft zwischen Medizin und Kunst? Beide sind gewillt, die Anomalien der Wirklichkeit mit ihren eigenen Mitteln zu vermessen. Hennric Jokeit ist von Hause aus Neurowissenschaftler, und seine fotografische Kunst speist sich aus beiden Quellen. Er schafft Ansichten urbaner Räume und kulturierter Landschaften, die so präzis wie auch geheimnisvoll wirken. Die das Sehen irritierende Negativform ist für Jokeits Schaffen seit Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit zentral. Dass diese Bilder Negative sind, erkennt der Zuschauer vielleicht nicht sofort. Dennoch bewirkt die unwillkürliche Aktivierung der Kontrast-Umkehrprozesse im visuellen Hirn einen neuen, intensiveren Zugang zu diesem «radiologischen Atlas unerfüllter Verheissungen», wie ein Kritiker mal sein Werk bezeichnet hat. Jokeits Diagnose der sich selbst überdrüssig gewordenen Welt mag durchaus melancholische Züge tragen, sie ist jedoch nie ohne Hoffnung. Einer Hoffnung, die oft gerade im Spalt zwischen der Wirklichkeit und dem Wunschdenken angesiedelt ist. Die einzigartige Faszination, die von Jokeits Weltansichten ausgeht, hat mit diesem philosophisch vertieften Verständnis der Hoffnung zu tun: Das Negative zu erkennen, ist unsere einzige Chance, den Befund ernst zu nehmen.

Hennric Jokeit (CH/D, 1963) begann sich intensiv mit fotografischer und medizinischer Bildgebung zu beschäftigen, nachdem bei einer ihm sehr nahestehenden Person aufgrund kernspintomographischer Diagnostik (MRI) eine neurologische Erkrankung diagnostiziert wurde. Erste Ausstellungen und Publikationen folgten ab 2007. Seine Arbeiten wurden in der Schweiz, Südafrika, Deutschland, Frankreich und Litauen ausgestellt. Im Jahr 2016 veröffentlichte er den Band "Negative Vision" mit einem Essay von Philip Ursprung. Sein letztes Buch «Goodhope» erschien 2018 mit einem Text des südafrikanischen Autors Sean O'Toole. Die Bildstrecke «Goodhope» wurde für den Prix Pictet 2019 nominiert.

Jokeit hat in Ostberlin an der Humboldt-Universität Psychologie studiert. Ein Jahr nach dem Mauerfall holte ihn der Hirnforscher Ernst Pöppel nach München, um gemeinsam neurobiologische Grundlagen visueller Wahrnehmung zu erforschen. Später arbeitete Jokeit zur bildgebenden Diagnostik von Gedächtnis und Emotionen in Bielefeld (D) und Zürich. Seit 2001 leitet er das Institut für Neuropsychologische Diagnostik und Bildgebung am Schweizerischen Epilepsie-Zentrum und ist Titularprofessor für Neuropsychologie an der Universität Zürich.

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