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Radtour

Literatur-Tour

Die Literatur-Tour durchquert die ganze Vielfalt des Früchtetraufs: Auf den Spuren großer Literaten geht es durch den Schönbuch, Weinberge, Streuobstwiesen und durch's Neckartal.

Die Literatur-Tour führt zu den Wirkungsstätten berühmter Dichter, Denker und Schreiber. Die Tour startet am Tübinger Tourist & Ticket-Center, unweit des Hölderlinturms und des evangelischen Stifts. Entlang des Neckars führt der Weg nach Lustnau und zum ersten Bücherbaum im Goldersbachtal. Kurz danach erreicht man Bebenhausen, wo Eduard Mörike seine Sommerfrische verbrachte. Bevor der Weg in den Schatten des Schönbuchs taucht, passiert er einen weiteren Bücherbaum. Am Wildgehege Saurucken geht es dann vorbei Richtung Ammertal. Traumhaften Ausblicke garantieren Schloss Hohenentringen und Schloss Roseck, bevor es an der von Ludwig Uhland besungenen Wurmlinger Kapelle gen Rottenburg am Neckar geht.

 

Eine Wegbeschreibung mit Tiefe und literarischer Verknüpfung von Bernd Möbs, Stuttgart:

Ganz Tübingen ist – eine Universität
Die 1477 gegründete Eberhard-Karls-Universität war das folgenreichste Ereignis für die Stadt. Bis heute bestimmt die »Alma mater« Wohl und Wehe Tübingens. Doch nicht nur das: Der württembergische Herzog Ulrich stiftete 1536 ein Studien- und Wohnhaus und ein Stipendium für angehende Theologen, das Tübinger Stift. Bis heute bevölkern die altehrwürdigen Räume des ehemaligen Augustinerklosters Studenten, die das evangelische Pfarramt oder das Lehramt an Gymnasien anstreben, seit 1968 sogar auch Frauen! Allerdings sind die »Theologen auf Abwegen« meist berühmter als die Theologen selbst, sei es der Astronom Johannes Kepler, die Dichter Friedrich Hölderlin, Wilhelm Hauff, Eduard Mörike, Hermann Kurz, Wilhelm Waiblinger oder die Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Joseph Schelling.

Haselnusspfarrer und andere Kuriositäten

Die ehemals in ganz Deutschland bekannte Tübinger Erfolgsschriftstellerin des 19. Jahrhunderts, Ottilie Wildermuth (1817 – 1877), hatte in den 1850er Jahren eine kleine Sammlung einer »merkwürdigen Spezies« literarisch unter die Lupe genommen: evangelische Pfarrer. Das Ergebnis hieß ›Schwäbische Pfarrhäuser‹. Da gibt es das freundliche, das töchterreiche oder das genügsame Pfarrhaus. Der skurrilste Pfarrer, der Haselnusspfarrer, sitzt tagtäglich in seiner Studierstube. Was macht er da eigentlich? Studieren wohl kaum, »denn […] seine Predigten mahnten an die Gebeträder der Buddhisten, welche dieselbe Leier mechanisch abrollen.« Hatte er sich überhaupt nicht vorbereitet, so predigte er nicht nach dem Verlesen des Evangeliums, sondern verkündete: »Dieses Evangelium ist so und so schön, daß ich’s eurer Liebe noch einmal vorlesen muß.« Abends trank er, so die überraschende Entdeckung des neuen Vikars, jeden Abend ordentlich Wein in seiner Stube, mampfte dabei unentwegt Haselnüsse und brummte stumpfsinnig auf seiner Bassgeige herum. Als das Buch erschien, waren die Leser begeistert und die Herren Pfarrer beleidigt. Auf der Tübinger Platanenallee findet sich ein Denkmal für die gebürtige Rottenburgerin, die in Marbach aufwuchs und mit ihrem Mann nach Tübingen zog.

Ein Mann wie eine starke Eiche und eine wohlhabende Partie
Ottilie Wildermuth war mit dem Dichter Ludwig Uhland befreundet. Auch er, nicht nur die Pfarrer, musste ihre Späße aushalten: »[D]em Uhland […] fabrizierte ich ein schauerlich wüstes altdeutsches Lied als neuaufgefundenen Gesang Wolframs von Eschenbach, weiß nicht, ob der Spaß Erfolg haben wird«, schrieb sie in einem Brief. Als der berühmte Dichter, Sprachforscher und Politiker 1820 Emilie Uhland heiratete, war er mit einem Schlag seine Geldsorgen los und konnte sich ausgiebig seiner Dichtung, seinen sprachwissenschaftlichen Studien und seiner Tätigkeit als Landtagsabgeordneter in Stuttgart widmen. Mit seinem Einsatz für Freiheit, Demokratie und der deutschen Einheit sowie seinen populären, volksliedhaften Gedichten wurde er im 19. Jahrhundert verehrt wie Goethe und Schiller. Als das Ludwig-Uhland-Denkmal in der Uhlandstraße am Platz der Stadt Monthey 1873 eingeweiht wurde, umrahmten es neunzig Ehrenjungfrauen in schwarz-rot-goldenen Schärpen. Uhland hätte sich beschwert, war ihm die Farbreihung Schwarz-Rot-Gold doch wesentlich lieber: Ein autoritäres, von oben geschaffenes Reich hätte er niemals gebilligt. Zum Glück war er seit elf Jahren tot und konnte sich nicht mehr beschweren.

»Dr Hölderlin isch et verruckt gwäh«

Lange Zeit stand am Hölderlin-Turm, Bursagasse 6: »Der Hölderlin isch et verruckt gwä«. Stimmt das? Kann denn ein Verrückter immer noch Gedichte schreiben? Nach vielen literarischen, politischen und persönlichen Niederlagen wurde Friedrich Hölderlin (1770 – 1843), einer der größten Dichter Deutschlands, vom Schreinermeister Zimmer 1807 in sein neu gekauftes Haus aufgenommen. Im damaligen Autenriethschen Klinikum gegenüber konnte man ihm nicht mehr helfen. Er schrieb in seinem karg eingerichteten Asyl im ersten Stock weiterhin gereimte Gedichte, darunter viele Jahreszeitengedichte. Als der Schreinermeister ihm einmal den Wunsch verweigerte, ihm einen Tempel aus Holz zu bauen, antwortete Hölderlin: »Ach, ich bin doch so ein armer Mensch!« und schrieb folgende Zeilen auf ein Brett: »Die Linien des Lebens sind verschieden, / Wie Wege sind, und wie der Berge Grenzen. / Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen / Mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden.« Oft lag er apathisch im Bett oder durchmaß stundenlang den langen Gang im Erdgeschoss. Manchmal hatte er tagelang Krämpfe und schrie und tobte. Aus ganz Deutschland reisten jedoch Gäste an, um ihn zu sehen. Eduard Mörike kam mit seinem Studienfreund, dem Dichter Wilhelm Waiblinger (1804 –1830), der die erste Hölderlin-Biografie schrieb. Hermann Hesse hat über die Begegnung der Drei die schöne Erzählung ›Im Presselschen Gartenhaus‹ geschrieben. Nur eine Frau kam bis zu ihrem Tod nicht aus Nürtingen zu Besuch nach Tübingen: Hölderlins Mutter. Hölderlin hatte seinen einzigen Roman ›Hyperion‹ bei dem großen Verleger Johann Friedrich von Cotta (1764 – 1832) veröffentlicht. Bevor Cotta 1810 nach Stuttgart umzog, hatte der Cotta-Verlag seinen Sitz in Tübingen in der Münzgasse 15. Hier besuchte 1797 auch Johann Wolfgang von Goethe seinen Verleger.

Saufen, Dichten, Staub schlucken
Bunt, ausgelassen und trinkfreudig geht es in der in Tübingen spielenden Erzählung ›Die Novembernacht‹ (1901) von Hermann Hesse (1877 – 1962) zu: Der Examenskandidat Otto Aber und der Dichter Hermann Lauscher laufen nachts über die Tübinger Platanenallee. Lauscher zieht eine »bauchige Benediktinerflasche« aus der Manteltasche und reicht sie seinem Kumpan. »›Der letzte Schluck!‹ ruft dieser und schwenkt die Flasche gegen das jenseits des Flusses ragende Stift. ›Prosit Stift!‹« So trieb es auch des Öfteren der Autor selbst, als er von 1895 bis 1898

seine Lehre als Buchhändler in Tübingen in der 1823 gegründeten Buchhandlung Heckenhauer am Holzmarkt 5 absolvierte. Heute findet sich hier noch das Antiquariat; ein Museum wird künftig an die Zeit Hesses in Tübingen erinnern. »Das Staubschlucken und Geldzählen macht einen zu einem elenden Kerl«, schreibt er 1896 über seine Buchhändlerlehre an seine Mutter. Da waren die Ausflüge und das gesellige Beisammensein in dem Dichterclub »Petit Cénacle« bei Bier und Wein ein willkommener Ausgleich. Bis Juli 1899 arbeitete Hesse noch bei Heckenhauer, veröffentlichte einen ersten Gedichtband und eine Prosaskizze und zog dann nach Basel um. Auch »lebende Dichter« arbeiteten zuweilen bei Heckenhauer: Kay Borowsky, 1943 geboren, Dichter, Schriftsteller und ein großer Übersetzer von russischer und französischer Lyrik war dort von 1978 bis 2006 tätig.

Ein Schiff namens Esperanza und ein Fahrrad mit Schriftsteller
Kay Borowsky übernahm die Wohnung von Fred von Hoerschelmann (1901 – 1976) in Derendingen. Letzterer war einer der gefragtesten Hörspielautoren Deutschlands nach dem Krieg. Vorher wohnte von Hoerschelmann am Lustnauer Tor in der Doblerstraße 4. In seinem bekanntesten Hörspiel ›Das Schiff Esperanza‹ kassiert ein korrupter Schiffskapitän von illegalen Auswanderern hohe Summen für eine Überfahrt nach Südamerika. Aber anstatt sie ans Land zu bringen, lässt er sie auf einer Sandbank verdursten. Kein Schifffahrtsdrama, aber eine »Fahrradfarce eines Politikers« schrieb 2010 der in Tübingen lebende Autor und Dramatiker Joachim Zelter. In seiner Satire ›Der Ministerpräsident‹ muss Landesvater Claus Urspring, der nach einem Autounfall sein Gedächtnis verloren hatte, vor der kommenden Landtagswahl durch das ganze Land zu sämtlichen Wahlkampfveranstaltungen radeln, damit die Wähler sein unfallbedingtes Humpeln nicht bemerken. Begleitet wird dies von dem Schwur, nicht eher vom Rad zu steigen, bis der CO2-Ausstoß in Baden-Württemberg um zwanzig Prozent reduziert sei. Das wäre doch eigentlich etwas für den aktuellen grünen Ministerpräsidenten oder Boris Palmer.

112 Pfarrer und 170 Professoren »friedlich« vereint
Nach den Vorstellungen des damaligen Oberamtsarztes Gotthold Immanuel Jakob Uhlands, einem Onkel Ludwig Uhlands, wurde 1829 der Tübinger Stadtfriedhof, Gmelinstraße 20, angelegt. Hier kann man wie in einem Garten der Erinnerung die großen unsterblichen Geister der Stadt und ihre Grabstätten besuchen, so zum Beispiel Friedrich Hölderlin, Ludwig Uhland, Ottilie Wildermuth oder den in Reutlingen geborenen Schriftsteller Hermann Kurt und seine Tochter Isolde. Nicht nur Dichter liegen dort begraben, sondern sage und schreibe 170 Professoren und 112 Pfarrer. Das ehemalige Aufseherhaus des Friedhofs beherbergt dafür einmal im Jahr für etwa drei Monate etwas ausgesprochen Lebendiges: den Tübinger Stadtschreiber. Dieses Stipendium existiert seit 2008, seit 2012 richtet es sich ausschließlich an Lyrikerinnen und Lyriker.


Balsam für gequälte Herzen: Das Goldersbachtal und Bebenhausen
Von Tübingen radeln wir entlang des Neckars, bis wir in Tübingen-Lustnau von Neckar abbiegen und das Goldersbachtal erreichen. Der große Sohn Tübingens, der Dichter Ludwig Uhland (1787 – 1862), fand im Goldersbachtal einstmals Balsam für sein gequältes Herz. Vielleicht ergeht es Ihnen auf der Tour ja ähnlich? Als er das dem Goldersbachtal gewidmete Gedicht ›Das Tal‹ im Jahre 1811 schrieb, war er mit seinem Leben kreuzunglücklich. Immer noch von Beruf ›Sohn‹, lag er seinem Vater weiterhin auf der Tasche, denn die in Tübingen eröffnete Anwaltskanzlei lief nicht. Also nichts wie weg ins Goldersbachtal: »Es duftet wieder alte Liebe, / Es grünet wieder alte Lust; / Ja selbst die alten Liedertriebe / Beleben diese kalte Brust. / Natur! wohl braucht es solcher Stunden, / So innig und so liebevoll, / Wenn dieses arme Herz gesunden, / Das welkende genesen soll.« Weiter geht es nach Bebenhausen. Im Jahre 1863 kam der Dichter und pensionierte Pfarrer Eduard Mörike (1804 – 1875) mit seiner Schwester und seiner Tochter Marie sieben Wochen hierhin, um sich in der Abgeschiedenheit des Klosters und des angrenzenden Dorfes zu erholen. Er dichtete hier einen Gedichtzyklus in klassischem Versmaß, die ›Bilder aus Bebenhausen‹. Setzen Sie sich bei Ihrer Radtour doch einmal ins Gras und lassen sich davon ein paar Zeilen »im Ohr« zergehen: »Drei Uhr schlägt es im Kloster. Wie klar durch die schwülige Stille / Gleitet herüber zum Waldrande mit Beben der Schall, / Wo er lieblich zerfließt, in der Biene Gesumm sich mischend, /Das mich Ruhenden hier unter den Tannen umgibt.« 1874 war er wieder hier zu Besuch bei der in Bebenhausen lebenden Scherenschnittkünstlerin Luise Walther. In den 1950er Jahren tagte übrigens hier zwei Mal die berühmt-berüchtigte Schriftstellergruppe ›Gruppe 47‹.

 

Luftig wie ein leichter Kahn auf des Hügels grüner Welle: Die Wurmlinger Kapelle
Möchten Sie auf unserer Radtour womöglich auch zum Dichter werden? Dazu ist der Anstieg zur Wurmlinger Kapelle die beste Gelegenheit. Man besteigt einen freistehenden Hügel, schwingt sich selbst fast wie ein Adler in die Lüfte und erhebt sich über die Niederungen des Alltags. Und erst der Rundumblick! Das regt zum Schwärmen und zum Träumen an: »Luftig, wie ein leichter Kahn, / Auf des Hügels grüner Welle / Schwebt sie lächelnd himmelan, / Dort die friedliche Kapelle«, dichtete der österreichische Dichter Nikolaus Lenau (1802 – 1850). Er hatte 1831 mit den Dichterfreunden Ludwig Uhland und Karl Mayer einen Ausflug dorthin gemacht. Falls Sie also losdichten wollen, haben Sie schwere Konkurrenz. Und Ludwig Uhland selbst hatte schon im Alter von 18 Jahren Maßstäbe gesetzt mit dem Gedicht ›Die Kapelle‹: »Droben stehet die Kapelle / Schauet still ins Tal hinab. / Drunten singt bei Wies’ und Quelle / Froh und hell der Hirtenknab’.«

 

Die fünf großen Dichter Rottenburgs - vereint in einer Person
Um an den großen Dichter Rottenburgs zu erinnern, postiert man sich am besten dahin, wo »[en] Roate’burg a’r Ontre’ Bruck« der heilige Nepomuk steht, auf der Josef-Eberle-Brücke. Manch eine Stadt hat nur einen Dichter oder gar keinen, Rottenburg hat derer fünf: »Sebastian Blau« schreibt Mundart, »Tyll« schreibt satirische Gedichte und Glossen, »Iosephus Apellus« lateinische Verse, »Peter Squenz«  Reime in barocker Manier und der »alte Wang« Chinoiserien. Und alle heißen eigentlich Josef Eberle (1901 – 1986)! Mit fünf »PS«, also fünf Pseudonymen, fuhr Eberle durch die Dichterwelt und hat nachhaltige Spuren hinterlassen, am meisten freilich mit seinen schwäbischen Gedichten. In einem seiner bekanntesten wird der heilige Nepomuk um allen möglichen Beistand angerufen, beim Schwimmen, Baden und beim Hochwasser. Das soll aber, wenn überhaupt, erst bei den Tübinger Weinbauern, ausbrechen, denn: »en deane ihren saure’ Wei’ / därf wohl e’ bißle Wasser nei’/  – und evangelisch send se ao…« Geboren am Marktplatz, Königstraße 18, war Eberle zunächst Buchhändler – die Ausbildung machte er wie Hermann Hesse bei Heckenhauer in Tübingen und wurde Lektor beim Südfunk Stuttgart. Schließlich kommt der Coup: Er wird 1945 Mitherausgeber und schließlich alleiniger geschäftsführender Herausgeber der Stuttgarter Zeitung. Und dann noch der nächste Streich: Eberle kaufte das Archiv des berühmten Cotta-Verlags und vermachte es dem Schiller-Nationalmuseum. In Rottenburg ermöglichte er durch eine große Geldsumme den Ausbau des Antiken-Museums zum neuen Römischen Stadtmuseum »Sumelocenna«. Auch Dichter sind ab und zu etwas nütze…

 

Am Neckar entlang - ein Gedicht!

Der Neckar mit seinen Zuflüssen prägt die Landschaft Württembergs und durchzieht sie wie eine Lebensader. Kein Wunder, dass er ist auch bedichtet wurde. Friedrich Hölderlin, der in den drei Neckarstädten Lauffen, Nürtingen und Tübingen prägende Lebensphasen verbrachte, schwärmte in dem Gedicht ›Der Neckar‹: » In deinen Tälern wachte mein Herz mir auf  /  Zum Leben, deine Wellen umspielten mich, /Und all der holden Hügel, die dich / Wanderer! kennen, ist keiner fremd mir.« Unser Rottenburger Dichtercleverle Josef Eberle dichtet zum Thema ›D’r Necker‹ etwas salopper: »Ond zur Täufete ghaöts Kendle,/ on zom Gaigel ghaöt dr Trompf,/ on dr Necker ghaöt ens Ländle / als sei’ Heazstück ond Triompf.« Am Ende des Gedichts beschreibt Eberle dann das jämmerliche Ende des Neckars: »Soweit wär älles reacht und schö. / Was aber tuat dear Stromer? / r lauft schnurstracks ens Badisch nei’ / ond selt – vor lauter Jomer – / versäuft r se em Rhei’!«

 

Dichtergelage bei Brot und Brot, Sauerampfer und Löwenzahn in Hirschau

Wenn Sie nun auf unserem Weg Hirschau besuchen, machen Sie es ähnlich wie der Schriftsteller und Jugendbuchautor Peter Härtling in den 1950er Jahren. Er kam allerdings zu Fuß vom Tübinger Bahnhof und wurde von dem Niederrhein geborenen Lyriker Johannes Poethen (1928 – 2001) abgeholt, der von 1950 bis 1958 seiner Frau und seiner Tochter in Hirschau wohnte. Beide hatten wie damals Hesse in Tübingen stolz erste Gedichtbände veröffentlicht und fühlten sich dem ›Dichterhimmel‹ nah. Spartanisch war das Essen der Dichtergelage, »in dem der Salat aus dem Garten häufig als Spinat auftrat, in dem Wurzeln, Sauerampfer, Löwenzahn delikat zubereitet wurden«, aber es gab ein Grundnahrungsmittel, dass nie ausging: »Brot und Rotwein«, schreibt Härtling in seiner Autobiografie ›Leben lernen‹ (2003). Und so ergötzten sich beide an Hölderlins Gedichten und rauchten schwarzen griechischen Tabak. Aus dem Fenster schaute man »auf den grünen, schwungvollen Hang hinauf zur Wurmlinger Kapelle.« Peter Härtling hat über viele württembergische Dichter Romanbiografien verfasst, so zum Beispiel 1976 den Roman ›Hölderlin‹.

Highlights entlang der Route

  • Kinder- und Familienmuseum

    BOXENSTOP Auto · Zweirad · Spielzeug

    Das Museum Boxenstop ist ein Museum zum Anfassen. Ein Museum, das der ganzen Familie Spaß macht. Den Besucher erwartet eine fantastische Zeitreise mit viel Klasse!

  • Altstadt

    Neckarfront Tübingen

    Die Neckarfront ist das bekannteste Fotomotiv der Universitätsstadt. Von der Neckarbrücke aus hat man den schönsten Blick auf Tübingens „Schokoladenseite”. Stiftskirche, Hölderlinturm, Burse, Evangelisches Stift und Schloss Hohentübingen reihen sich wie an einer Perlenschnur aufgezogen flußaufwärts.

  • Naturkundemuseum

    Zoologische Schausammlung der Universität Tübingen

    Die Sammlung präsentiert auf zwei Ausstellungsebenen zahlreiche Tierarten. Im Obergeschoss befindet sich der Saal „Tiere der Heimat”, in dem die allermeisten Wirbeltiere und Insektengruppen Mitteleuropas gezeigt werden.
     

  • Historisches Gebäude

    Stadtmuseum im Kornhaus

    Der westliche Teil des Kornhauses, das als Tübinger Stadtmuseum genutzt wird, wurde im Jahr 1453 erbaut, der östliche folgte etwa 50 Jahre später. Bereits im 13. Jahrhundert befand sich an gleicher Stelle ein Vorgängerbau, der jedoch durch einen Stadtbrand zerstört wurde.

  • Historisches Museum

    Hesse Kabinett im Antiquariat Heckenhauer

    Das Tübinger Hesse-Kabinett widmet sich den literarischen Wurzeln des weltberühmten Dichters und Nobelpreisträgers Hermann Hesse (1877–1962). Es lädt ein zu einer Entdeckungsreise auf den Spuren des Dichters der Jugend.

  • Historisches Gebäude

    Nonnenhaus

    Viel berühmter als die Beginen oder Klausnerinnen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, denen das Haus seinen Namen verdankt, war ein anderer Bewohner hundert Jahre später, an den das steinerne Buch und das kleine Gärtchen vor der Buchhandlung erinnert. Hier befand sich einer der ersten Botanischen Gärten der Welt.

  • Naturkundemuseum

    Paläontologische Sammlung

    Die Schwäbische Alb und ihr Vorland sind seit jeher ein El Dorado für Fossilien-Fans. Die Erforschung der mitunter einmaligen Funde begann bereits vor 200 Jahren. Die Ergebnisse sind in der Paläontologischen Sammlung der Universität Tübingen zu bewundern.

  • Historisches Gebäude

    Evangelisches Stift

    Hier brannte das „Dreigestirn” Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Friedrich Wilhelm Joseph Schelling und Friedrich Hölderlin für die Ideen der Französischen Revolution und verstieß damit nicht nur einmal gegen die strengen Regeln der Ausbildungsstätte für evangelische Theologen. Aber sie und viele andere schrieben hier vor allem im 18. und 19. Jahrhundert europäische Geistesgeschichte.

  • Historisches Gebäude

    Bebenhäuser Pfleghof

    Das nahegelegene Kloster Bebenhausen war der größte Grundherr, Steuer- und Zinseinnehmer der Stadt und von allen städtischen Abgaben befreit. Der Pfleghof, diese mächtige Dreiflügelanlage, die von 1477 bis 1502 am sogenannten Schulberg neu erbaut wurde, war der Verwaltungssitz.

  • Berühmtes Bauwerk

    Neue Aula

    Man vermutet es schon fast: In der Alten Aula und in der Altstadt wurde es für die wachsende Universität allmählich zu eng. Ein neues Universitätsviertel musste her. Man wich ins Ammertal aus und benannte das neue Viertel Wilhelmsvorstadt nach König Wilhelm I. von Württemberg. Mit der Neuen Aula fing es an.

  • Gartenanlage

    Alter Botanischer Garten

    Der Alte Botanische Garten zwischen Altstadt und Wilhelmsvorstadt gehört im Sommer zu einem der beliebtesten Treffpunkte von Studierenden und Schülern, die ihn nur „Bota” nennen. Unter den großen, zum Teil exotischen Bäumen lässt es sich wundervoll entspannen, lernen oder spielen.

  • Kirche

    Stiftskirche St. Georg

    An der Neckarfront ragt sie hinter den vergleichsweise kleinen, schmalen Altstadthäusern auf wie eine Beschützerin. Im Typus der schwäbischen Hallenkirche wurde sie auf Veranlassung von Graf Eberhard im Barte, dem Universitätsgründer, in der Zeit von 1470 bis 1493 als spätgotische Kirche erbaut.

  • Historisches Gebäude

    Spital

    Als umfassende Sozialfürsorge der Stadt sollten hier „Arme aufgenommen werden, Hungernde und Dürstende Speis und Trank erhalten, Reisende Unterkunft finden, Kranke besucht werden, arme Frauen bei der Geburt Fürsorge erfahren und Findelkinder aufgezogen” werden. Das war Mitte des 13. Jahrhunderts.

  • Kirche

    Johanneskirche

    Die Kirchenmusik spielt eine große Rolle in St. Johannes. Drei Chöre sowie eine Rieger-Orgel mit über 40 Registern und eine Truhenorgel aus der Werkstatt von Jürgen Kopp aus Aurich/Ostfriesland sorgen für den richtigen Sound der Universitätskirche der Katholisch-Theologischen Fakultät.

  • Radtour

    Prima-Klima-Tour

    Die Tour führt von Tübingen durch das Neckartal nach Rottenburg und weiter bis zum imposanten Schloss Weitenburg zu Orten der alternativen Energiegweinnung wie der Windkraftanlage Eckenweiler.

  • Spezialmuseum

    Psychologische Sammlung der Universität Tübingen

    Die menschlichen Sinneseindrücke zeigen sich immer wieder als besonders trügerisch. Dass die Wahrnehmung von Dingen in den Fokus der Experimentalpsychologie rückt, liegt daher auf der Hand. Denn mit Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten erfährt der Mensch Informationen, die kognitiv weiterverarbeitet werden und Kopf-Sachen entstehen lassen.

  • Schloss

    Schloss Hohentübingen

    Schloss Hohentübingen sieht eher aus wie eine Burg. Im Mittelalter war es das auch und wurde erstmals 1078 als „castrum twingia” erwähnt. Heute residiert hier oben vor allem die Universität Tübingen mit dem Institut der Klassischen Archäologie und ihrem Museum Alte Kulturen.

  • Historisches Gebäude

    Universitätskarzer

    Hier saßen sie ein, die ungehorsamen Studenten nach heimlichen Eheverlöbnissen, Saufgelagen, Schwänzen der Predigten, Verstöße gegen die Kleiderordnung, Würfelspielen und nächtlichem Randalieren! Aus Langeweile fingen sie an, die Wände zu bekritzeln, woraufhin die Universität 1736 „dagegenkritzelte”.

  • Kirche

    Jakobuskirche Tübingen

    Auch Tübingen liegt am Jakobusweg, genauer gesagt an einem Zubringerweg nach Santiago de Compostella. Hier, am stillen Jakobusplatz in Tübingens Unterstadt, finden Sie die kleine Jakobuskirche. Sie ist die älteste erhaltene Kirche Tübingens.

  • Historisches Gebäude

    Hölderlinturm/ Museum

    Er ist das Wahrzeichen Tübingens und das i-Tüpfelchen der schönen Neckarfront. Der Hölderlinturm: gelb mit spitzem Dach, idyllisch gelegen am Neckar, daneben eine Trauerweide und im Sommer die Stocherkähne davor. 36 Jahre war das Turmzimmer im ersten Stock die Heimstatt eines unserer größten deutschen Dichter.

  • Stocherkahn

    Tübinger Stocherkähne / Öffentliche Stocherkahnfahrten

    Öffentliche Stocherkahnfahrt entlang der Neckarfront von Mai bis September täglich um 13.00 Uhr, samstags auch um 17.00 Uhr

    Wer Tübingen von einer seiner schönsten Seiten kennen lernen möchte, sollte eine Stocherkahnfahrt auf dem Neckar machen. Denn eine gemütliche Fahrt entlang der romantischen Neckarfront ist stets ein unvergessliches Highlight.

  • Historisches Gebäude

    Krumme Brücke und Ammergasse

    Man muss bis in das 14. Jahrhundert zurückgehen, wenn man die Herkunft der „Krummen Brücke” herausfinden will. Fest steht, dass sie die Grenze zwischen Ober- und Unterstadt markiert. Heute freuen wir uns an dem kleinen Platz mit dem reizenden Brückchen, dessen Geländer im Sommer den prächtigen Tübinger Blumenschmuck trägt.

  • Historisches Gebäude

    Wilhelmsstift

    Wie beim Evangelischen Stift war auch beim katholischen Wilhelmsstift der Vorgängerstandort ein Kloster. Dieses wurde 1535 aufgelöst und ist 1540 abgebrannt. Seit 1817 dient es als Pendant zum Evangelischen Stift als Wohn- und Ausbildungsstätte katholischer Theologen. Davor war das „Collegium illustre” genannte Haus eine exklusive Akademie für Adelssöhne aus ganz Europa.

  • Berühmtes Bauwerk

    Schloss-Sternwarte

    „Wie groß ist eigentlich mein Königreich Württemberg?” fragte sich König Wilhelm I. 1818. So erhielt Mathematiker und Astronom Johann von Bohnenberger (1756–1831), Professor an der Universität Tübingen, den Auftrag Württemberg zu messen.

  • Historisches Museum

    Schlosslabor

    Die „Wiege der Biochemie” steht in Tübingen. Denn die einstige Küche im Schloss Hohentübingen wurde im frühen 19. Jahrhundert zum ersten biochemischen Laboratorium umfunktioniert und ist heute ein herausragender Ort der Wissenschaftsgeschichte.

  • Historisches Gebäude

    Cotta-Haus

    „Hier kotzte Goethe”. Das kleine Schild am Nebengebäude des Cotta-Hauses ist fast so berühmt wie das Cotta-Haus selbst. Goethe gehörte neben Schiller zu den Starautoren des Verlegers Johann Friedrich von Cotta, der den Familienbetrieb 1787 in der Tübinger Münzgasse übernahm.

  • Historisches Gebäude

    Judengasse

    Während des Nationalsozialismus wohnten bereits keine Juden mehr in der Judengasse. Auch über das mittelalterliche Judenviertel in Tübingen ist wenig bekannt. Man weiß nur, dass drei Vertreibungswellen seit dem 14. Jahrhundert stattfanden; der letzten fiel dann auch die Synagoge außerhalb der Tübinger Altstadt zum Opfer.

  • Historisches Gebäude

    Fruchtkasten

    Der Fruchtkasten wurde 1474 erbaut. Das Gebäude zählt zu den ältesten und schönsten Fachwerkbauten der Stadt. Sein alemannisches Fachwerk besteht aus bis zu 800 Jahre altem Eichenholz. In der ersten Zeit lagerten landwirtschaftliche Güter, insbesondere Getreide in den weiten Hallen des Gebäudes, später wurde auch Hopfen eingebracht.

  • Historisches Museum

    Museum der Universität Tübingen MUT Alte Kulturen

    Zu den berühmtesten Ausstellungsstücken des „Museum der Universität Tübingen MUT Alte Kulturen" auf Schloss Hohentübingen zählen die „Vogelherd-Figuren”. Sie gehören zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit überhaupt und sind Exponate des UNESCO-Welterbes „Eiszeitkunst”.

  • Parkanlage

    Platanenallee und Neckarinsel

    Sie wirkt wie eine Säulenhalle. Die malerische Platanenallee auf der Neckarinsel ist ein Naturdenkmal und wird von den Tübingern geschätzt und geliebt. Hier kann man spazieren gehen, auf den Bänken zwischen den hohen Bäumen sitzen, auf der Wiese entspannen oder die Sicht auf die „Schokoladenseite” Tübingens, die Neckarfront, genießen.

  • Historisches Gebäude

    Alte Aula

    Die Alte Aula in unmittelbarer Nachbarschaft der Stiftskirche gehört zu den ersten Gebäuden nach Gründung der Universität. Das fünfstöckige Gebäude betritt man von der Münzgasse her. Man befindet sich sogleich im dritten Stock, da die Alte Aula an einen steilen Südhang gebaut ist. Hier begann die Geschichte der Universität.

  • Historisches Gebäude

    Burse

    Wer vor dem mächtigen, rosa gestrichenen Fachwerkgebäude aus dem 15. Jahrhundert steht, spürt sofort, dass es sich hier um einen bedeutenden historischen Ort Tübingens handelt. Schillernde Namen und wechselnde Funktionen erlebte das Haus, in dem sich seit 1971 das Philosophische Seminar und das Kunsthistorische Institut der Universität befinden.

  • Stadtmauer / Tor

    Zwingel

    Seit je her ist die Zwingelmauer ein beliebter Sitzplatz an der Sonne. Vor allem Tübingens Studierende lieben diesen Platz, da man von hier oben einen ungestörten Blick auf den Neckar und die vorbeigleitenden Stocher-kähne hat. Hier sitzt man immer in der ersten Reihe.

  • Spezialmuseum

    Erich Fromm Institut Tübingen

    Mit Werken wie „Haben oder Sein” und „Die Kunst des Liebens” wurde Erich Fromm zu einem weltbekannten Autor. Im Erich Fromm Institut Tübingen haben Interessierte freien Zugang zur persönlichen Bibliothek und den Werken des Humanisten sowie zu vielen weiteren Dokumenten des Psychoanalytikers.

Offizieller Inhalt von Landkreis Tübingen

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