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Land und Leute

Vom einstigen Künstler zum bekannten Wanderbuchautor – Dieter Buck im Interview

Dieter Buck kennt sich mit Wandern aus wie kein anderer. Über 130 Bücher und Bildbände hat er bereits dazu verfasst und zu Fuß an die 39.000 Kilometer hinter sich gebracht. Wenn man ihn trifft, merkt man, mit welch großem Elan der Stuttgarter seiner Leidenschaft, die ursprünglich reines Hobby war, nachgeht. Seit Kurzem ist er auch exklusiv für bwegt unterwegs. Wir haben Dieter Buck zum Interview gebeten.

Herr Buck, wann waren Sie das letzte Mal draußen beim Wandern?

Das ist ganz leicht zu beantworten, denn ich komme gerade von einer Wanderung. Es wäre also nicht übertrieben zu sagen, dass ich nahezu jeden Tag Wandern bin, auch an Wochenenden.

Das heißt, Sie müssten viele Blasen an Ihren Füßen haben, oder?

Nun ja, zum Glück mittlerweile nicht mehr. Doch in den ersten Jahren wurden meine Füße tatsächlich ab und zu in Mitleidenschaft gezogen. Dann habe ich aber einen einfachen Trick entdeckt: Man muss einfach die am meisten gefährdeten Stellen abkleben. Dann findet die Reibung nicht an der Haut, sondern am Pflaster statt. Dazu braucht man natürlich bestes Schuhwerk – mit Billigstiefeln wird man nicht glücklich. Je nachdem zieht man außer einem guten Sportgeschäft auch einen Orthopäden oder Orthopädieschuster zu Rate und lässt sich gegebenenfalls die Schuhe anpassen – und schon läuft man wie ein junger Gott.

Sie haben schon als Kind gerne tiefe Wälder durchforstet, wilde Schluchten und Täler durchquert oder sind entlang tosender Bäche und Seen gewandert. Doch beruflich haben Sie lange Zeit erst einmal etwas ganz anderes gemacht.

Das stimmt. Neben meiner Arbeit im Finanzsektor war ich viele Jahre in Stuttgart als Künstler und Bildhauer tätig, nahm mehr als zehn Jahre einen Lehrauftrag wahr, leitete eine Galerie und hatte viele Ausstellungen in Deutschland und Österreich. Das Wandern habe ich nur nebenher gemacht.

Wie kamen Sie dann dazu, Ihre alte Tätigkeit an den Nagel zu hängen?

Es gab ein derart verlockendes Angebot aus dem Alltagsgeschäft auszusteigen und mich ganz dem Wandern und Publizieren zu widmen, dass ich einfach nicht nein sagen konnte. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragte ich mich und nahm diese Frage gleich als Antwort.

Wandern Sie lieber alleine oder in Gesellschaft?

Ich gebe zu, dass es einfacher für mich ist, alleine zu wandern. Fotografieren und dabei auf das beste Licht warten, Notizen machen, verschiedene Weggabelungen prüfen und gegebenenfalls ein Stück zurück wandern: All das bedeutet, dass ich in einem ganz anderen Rhythmus wandere, als jemand, der es wirklich aus purem Genuss tut. Obwohl ich trotzdem sagen muss, dass ich durchaus ein ordentliches Tempo drauf habe ;-). Zudem bringt das Alleinewandern einen gewissen Meditationseffekt mit sich, der sich in der Regel sehr schnell einstellt. Wenn man das mal kennt, dann braucht man es auch – fast eine Art Sucht.

Zählen Sie denn Ihre Wanderkilometer? Wie steht es aktuell um Ihr Wanderpensum?

Für mich privat würde ich nicht zählen oder eine Statistik führen, eine solche Leistungsorientierung liegt mir fern und würde mir den Spaß nehmen. Allerdings schreibe ich meine ganzen Wanderungen für Bücher oder Artikel – oder derzeit für bwegt – auf. Und dazu gehören auch die „basics“ der Tour, also Länge, Zeit, Höhenmeter. Aber ich zähle sie nicht zusammen, um zu sehen, was ich in der Woche oder im Monat „geschafft“ habe.

Was reizt Sie an der Kooperation mit bwegt?

Wandern mit öffentlichen Verkehrsmitteln gehört schon immer zu meinem "Portfolio" – wo es sich angeboten hat, habe ich für meine Bücher bzw. Artikel über Wanderungen und Radtouren das Angebot des VVS im großen Bereich um Stuttgart mit einbezogen. Bei Streckenwanderungen, die ja einen ganz besonderen Reiz haben, geht es ohnehin nicht anders als mit dem ÖPNV. Deshalb hat es mich auch besonders gefreut, dass man für diese Aktion mit bwegt auf mich zugekommen ist.

Wo sind Sie am häufigsten unterwegs?

Als Stuttgarter wandere ich natürlich sehr oft rund um Stuttgart bzw. in Baden-Württemberg. Doch man trifft mich auch des Öfteren im Allgäu, in den Alpen wie in Tirol und Südtirol, in Kärnten, in Vorarlberg oder im Salzburger Land.

Wandern wird immer beliebter und hat das Bieder-Image von einstigen Tagen längst verloren. Was glauben Sie, woran liegt das?

Ich denke, dass sich viele Menschen in der heutigen schnelllebigen Zeit, in der Reizüberflutung ein Dauerthema ist, einfach nach Entschleunigung sehnen. Die Natur bietet dafür die perfekte Kulisse. Zu wandern heißt, die Gedanken schweifen zu lassen, zu entspannen und sich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Der Kontakt mit der Natur tut Seele und Körper gleichermaßen gut. Daher glaube ich, dass diese Entwicklung noch weiter zunehmen wird.

Zudem vermute ich, dass dieser Imagewandeln auch schlichtweg profanere Gründe hat: Dem Wandern ging es ähnlich wie dem Radfahren: es war nicht „in“ – zu bieder. Aber als eines Tages der Hype um die Mountainbikeszene mit der bunten Kleidung und dem außergewöhnlichen Fahrstil aus Amerika herüberschwappte, wollte auch hierzulande jeder bei dieser neuen Mode mitmachen. Das hat sich auch aufs Wandern ausgedehnt: Man schaue sich nur einmal die heutige Wandermode – mit jährlichem Modewechsel – an und vergleiche sie mit der Wanderkleidung vor dreißig Jahren. Das sagt schon alles, da liegen Welten dazwischen.

Wohin geht denn Ihre nächste Wanderreise?

Ich bin ja immer für Bücher oder Artikel unterwegs. Hier beschäftigen mich derzeit Publikationen mit den Themen Schwäbische Alb, Remstal und Schwäbisch-Fränkischer Wald. Zudem stehe ich kurz vor einer Recherchereise in das Allgäu, natürlich auch für Bücher. Und worauf ich mich besonders freue, weil es etwas Außergewöhnliches ist: Demnächst steht auch wieder eine Wanderung für bwegt auf dem Programm. Das Ergebnis wird man an dieser Stelle dann nachlesen können.

Lieber Herr Buck, vielen Dank für das Interview. Wir sind gespannt auf die kommenden Buck bewegt Wandertouren.

Vielen Dank auch an bwegt. Für mich ist es pure Freude und ja – Sie dürfen gespannt sein!

Lesetipp: Vor kurzem war Dieter Buck im bwegt-Zug entlang der Murrbahn unterwegs. Ab Ilshofen-Eckartshausen ging die erste bwegt-Wanderung über Felder und Wiesen durch ein schönes Waldgebiet zum Burgbergturm. Dort angekommen erwartete ihn eine atemberaubende Aussicht auf die Haller und Hohenloher Ebene. Wer es ihm gerne nachmachen möchte oder unseren Beitrag verpasst haben sollte, findet hier die exklusive Wandertour zum Nachlesen.

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