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Rücksichtnahme aus Verantwortung – Maskenpflicht im ÖPNV.

Seit Wochen hat man sich danach gesehnt: Nun endlich konnten die Einschränkungen des öffentlichen Lebens vorsichtig etwas gelockert werden. Damit einher geht die Maskenpflicht für den Besuch in Läden, Einkaufszentren sowie im öffentlichen Nahverkehr. Was sie für Fahrgäste in Bus und Bahn bedeutet? Das beantwortet Sozial- und Gesundheitsminister Manfred „Manne“ Lucha.

Herr Minister Lucha, seit 27. April gibt es eine Maskenpflicht. Wo gilt sie und für wen?

Die Maskenpflicht gilt in ganz Baden-Württemberg in Läden, Einkaufszentren und im öffentlichen Personennahverkehr. Dazu gehören neben Bussen, U-Bahnen, S-Bahnen und Zügen auch – ganz wichtig – die Bahnsteige und Haltestellen. Außerdem muss bei Taxifahrten oder privat organisierten Fahrgemeinschaften, beispielsweise für den Weg zur Arbeit, eine Maske getragen werden. Das betrifft alle Erwachsenen und Kinder ab dem sechsten Geburtstag. Ausnahmen gibt es nur bei medizinischen oder sonstigen zwingenden Gründen wie beispielsweise für Menschen mit Behinderungen.

Warum muss man im öffentlichen Nahverkehr eine Maske tragen?

Fürsorglich Abstand zu halten und Kontakte auf ein absolutes Minimum zu beschränken reduziert das Infektionsrisiko erheblich. Dennoch kommt durch die nun schrittweisen Lockerungen wieder mehr Bewegung ins Leben. Mehr Menschen nutzen wieder Busse und Bahnen, um einkaufen zu gehen oder zur Arbeit zu fahren und begegnen sich unterwegs. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass man für längere Zeit etwas enger steht oder aneinander vorbeigehen muss. In solchen Situationen wird das Infektionsrisiko durch das Tragen einer Alltagsmaske reduziert. Durch konsequentes Maskentragen schützt man sich gegenseitig. Es nützt am Ende allen und ist auch Ausdruck von rücksichtsvollem und verantwortungsbewusstem Handeln.

Was für eine Art Gesichtsmaske empfehlen Sie und worauf muss man achten? 

Niemand muss jetzt zu hochwertigen medizinischen Masken, also mit FFP2- oder FFP3-Qualität, greifen. Diese werden in unseren Kliniken und der Pflege dringender benötigt. Wichtig ist vor allem, dass Mund und Nase vollständig und sicher bedeckt sind. Ob dafür aber eine sogenannte Alltagsmaske zum Einsatz kommt, die man auch selbst nähen kann, oder ein Schal beziehungsweise Tuch, spielt keine Rolle. Es sollte jedoch ein festes, dichtes Gewebe sein, Häkel- und Strickschals sind nicht geeignet.

Was ist sonst noch beim Verwenden einer Maske zu beachten?

Man sollte unbedingt darauf achten, dass am Rand alles gut anliegt und sicher abschließt. So wird verhindert, dass sich beim Husten oder Niesen Tröpfchen verbreiten, die möglicherweise virenbelastet sind und dadurch andere anstecken könnten.  

Außerdem ist das Tragen einer Maske nur einer von mehreren Bausteinen, um die Ausbreitung des Virus effektiv zu verhindern. Eine Maske bietet keinen absoluten Schutz. Das bedeutet, dass die Abstandsregeln auch mit Maske eingehalten werden sollten, wo immer das möglich ist. Weiter gilt: Kontakte reduzieren, regelmäßig und gründlich Hände waschen und sich nicht ins Gesicht fassen.

Wie lange kann man die Masken tragen?

Es ist sicher sinnvoll, mehr als eine Maske dabei zu haben. Denn mit der Zeit wird diese durch die Atemluft feucht. Dann sollte man die Maske gegen eine frische austauschen und die gebrauchte wegpacken, zum Beispiel in einem verschließbaren Frühstücksbeutel oder einer Plastikdose. Im Gegensatz zu Stoffmasken müssen einfache Masken aus Vlies nach dem Tragen entsorgt werden. Eine Maske aus Stoff ist nach einem Waschgang mit Vollwaschmittel bei 60 Grad wieder hygienisch sauber und einsatzbereit. Wer von Hand spült, sollte ein fettlösendes Spülmittel nehmen.

Wird man bestraft, wenn man gegen die Maskenpflicht verstößt?

Zunächst gibt es eine einwöchige Übergangsphase, damit sich alle darauf einstellen können. Ab 4. Mai 2020 kann bei Verstößen gegen die Maskenpflicht ein Bußgeld in Höhe von 15 bis 30 Euro erhoben werden. Die Erfahrung zeigt aber, dass die große Mehrheit bereit ist, eine Maske zu tragen und damit sich und andere Menschen zu schützen. Dafür möchte ich mich bereits heute bei den Bürgerinnen und Bürgern herzlich bedanken.

Manche zweifeln die Wirksamkeit von Masken an. Was bringt die Maßnahme wirklich?

Die Mund-Nasen-Bedeckung kann auf jeden Fall dazu beitragen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, vor allem, wenn möglichst viele Menschen eine solche tragen und fachgerecht damit umgehen. Wenn jeder eine Maske trägt, wird zudem das Risiko reduziert, dass Infizierte, die noch gar nichts von ihrer Infektion ahnen, andere unwissentlich anstecken. Außerdem hilft es daran zu denken, dass die Pandemie noch längst nicht vorüber ist und dass es wichtig ist, weiterhin achtsam und vorsichtig zu bleiben. Insofern ist es ist – insbesondere im Hinblick auf die Risikogruppen – auch ein Zeichen von Solidarität und von Verantwortung, eine Maske zu tragen, wenn man unterwegs ist.

Wie lange wird die Maskenpflicht voraussichtlich gelten? 

Das kann man heute noch nicht sagen. Eine globale Pandemie lässt sich nicht in ihrer Entwicklung absehen. Klar ist: Die Landesregierung stellt die getroffenen Maßnahmen permanent auf den Prüfstand und wird diese bei einer veränderten Infektionslage anpassen.

Herr Minister Lucha, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Sie haben noch weitere Fragen zur Maskenpflicht und zur praktischen Umsetzung? Die wichtigsten FAQs hat das Staatsministerium hier zusammengestellt.

Magazin-Artikel veröffentlicht am 04.05.2020