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Pendler und Gastronom Dirck Glaser berichtet: Die Fahrgäste verhalten sich sehr diszipliniert.

Der Weg zur Arbeit mit der U-Bahn funktioniert für Dirck Glaser fast schon wieder wie vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Seit dem 18. Mai dürfen wieder Gäste bewirtet werden – unter Auflagen. Viele Abläufe an seinem Arbeitsplatz in der Gastronomie muss er daher neu organisieren.

Die aktuellen Hygiene- und Schutzmaßnahmen im öffentlichen Raum sind Dirck Glaser fast schon in Fleisch und Blut übergegangen: „Wenn ich auf dem Gehweg sehe, dass es mit dem Abstand zu anderen ein wenig eng werden könnte, mache ich halt einen Schritt auf die Straße.“ Und obwohl das Tragen des Mund-Nasen-Schutzes in der U-Bahn immer noch ein bisschen gewöhnungsbedürftig für ihn ist, findet er: „Es gibt Schlimmeres.“ Die Linie U14 bringt ihn von der Freibergstraße in Stuttgart bequem in sechs Minuten zur Rosensteinbrücke. Auch wenn er jetzt genauer überlegt, welchen Sitz- oder Stehplatz er auswählt. „Abstand halten im Zug ist kein Problem“, sagt Glaser. „Denn die Verkehrsunternehmen geben sich hier schon Mühe und setzen auch mehr Waggons ein.“ Aushänge an den Türen tun ihr Übriges. „Und die Fahrgäste verhalten sich sehr diszipliniert“, so die Beobachtung von Dirck Glaser. Auch das trägt dazu bei, dass er keine Sorge hat, öffentliche Verkehrsmittel in der Corona-Pandemie zu nutzen.

U-Bahn fährt rund um die Uhr

Die Taktzeiten auf seiner Linie sind unverändert und funktionieren zuverlässig rund um die Uhr. Das weiß er, weil er die U-Bahn an unterschiedlichen Wochentagen zu ganz verschiedenen Zeiten nutzt. Denn Dirck Glaser ist verantwortlich für den Gästeservice im 300 Meter von der Haltestelle Rosensteinbrücke entfernten Roten Hirsch in Bad Cannstatt. Und damit nicht nur während der Öffnungszeiten für seinen Chef Christian List im Dienst, um den Betrieb auch hinter den Kulissen am Laufen zu halten.

Nicht zuletzt musste für die Wiedereröffnung des Roten Hirsch einiges vorbereitet werden: Tische auseinander rücken, damit die Gäste den vorgeschriebenen Mindestabstand zueinander einhalten können. Desinfektionsspender am Eingang aufstellen. Und dann die Gästelisten. In die muss er jetzt Name und Kontaktdaten von jedem eintragen, der in dem Lokal bedient wird. Ebenso die Zeit des Aufenthalts. 30 Tage lang muss Dirck Glaser die Angaben aufbewahren. Damit die Behörden im Fall einer Corona-Infektion die Kontaktpersonen des Erkrankten ermitteln können.

Servicepersonal trägt Maske

Ganz vorsichtig geht es in dem gut etablierten Roten Hirsch jetzt wieder los. Mit vorerst nur 40 Prozent der Sitzplätze inklusive der Außenbestuhlung. Fast alle Gäste reservieren ihren Tisch jetzt online oder telefonisch, um sicher zu gehen, dass sie tatsächlich auch einen der begrenzten Plätze bekommen. „Alle sind froh, dass es jetzt endlich wieder los geht“, sagt Dirck Glaser. „Aber für unsere Gäste und uns im Service ist das jetzt eine ganz neue Situation.“ Denn einfach an einen freien Tisch setzen, geht jetzt nicht mehr. Wer den Roten Hirsch betritt, wird am Eingang vom Servicepersonal empfangen und an den reservierten Tisch begleitet. Dort endet die Maskenpflicht für den Gast. Dirck Glaser und seine Kollegen tragen den Mund- und Nasenschutz die ganze Zeit im Restaurant.

Speisekarte per QR-Code

Die Speise- und Getränkekarte findet sich jetzt als QR-Code auf dem Tisch und wird von den Gästen mit dem Smartphone entschlüsselt. „So reduzieren wir das Infektionsrisiko durch Kontaktflächen“, erklärt Serviceleiter Glaser. Analoge Speisekarten gibt es auf Wunsch natürlich weiter im Roten Hirsch – selbstverständlich desinfiziert. Und auch das bargeldlose Bezahlen ist in dem Bad Cannstatter Restaurant jetzt fast der Normalfall. „Insgesamt“, findet Dirck Glaser, „hat Corona uns alle digitaler gemacht.“ Auch die Gästeliste kann er mit Hilfe eines neu entwickelten Tools künftig auf eine Datenerfassung per QR-Code umstellen.

Mehr persönliches Miteinander

Noch ist für Gäste und Personal Corona ein wichtiges Thema. „Der Schutz vor dem Virus hat für uns absolute Priorität“, sagt Dirck Glaser. Und trotz Maske und Abstand spürt der Serviceleiter jetzt einen viel größeren Wunsch der Gäste nach dem persönlichen Austausch mit ihm und seinen Kollegen. „Extrawünsche bei der Bestellung spielen da im Moment gar keine Rolle“, erzählt Glaser. Die Freude darüber, endlich wieder die Bewirtung genießen zu können, ist wichtiger.

Die Zeit der Betriebsschließung hat der Gastronom Christian List mit einem Abhol- und Lieferservice für die begehrten Hirsch-Speisen überbrückt. Er führt dieses bewährte Konzept vorerst weiter. Denn rentabel arbeiten lässt es sich mit den stark reduzierten Restaurantkapazitäten nicht. Das Team im Roten Hirsch muss sich vorerst weiter von Verordnung zu Verordnung hangeln. „Dennoch“, meint Dirck Glaser, „dieser Rahmen ist hilfreich und gibt uns die Möglichkeit, selbständig, eigenverantwortlich und kreativ zu handeln.“

Magazin-Artikel veröffentlicht am 27.05.2020