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Land und Leute

Mit der Transsibirischen Eisenbahn durch das WM-Land Russland

Die ganze Welt blickte während der Fußball-Weltmeisterschaft auf Russland. Fernab der großen Metropolen kann man das Land und seine Natur in seiner ursprünglichen Form erkunden – mit der Transsibirischen Eisenbahn.

Die längste Eisenbahnstrecke der Welt

Diese führt auf der längsten Eisenbahnstrecke der Welt von der russischen Hauptstadt Moskau bis an den Pazifik. Durch acht Zeitzonen durchqueren die Fahrgäste bei ihrer Reise 87 Städte und 16 Flüsse. Über Nowosibirsk, Irkutsk und schließlich Wladiwostok verläuft die Strecke entlang riesiger Nadelwälder und des Baikalsees, des tiefsten Süßwassersees der Erde. Würde man die gesamten 9288 Kilometer durch die Natur non-stop bestreiten – säße man sieben Tage am Stück im Zug. Doch was macht die lange Reise per Zug für so viele Touristen derart ansprechend?

Mythos Eisenbahn

Sicher ist die Entschleunigung, der kurzzeitige Ausstieg aus einer hektischen, digitalen Welt reizvoll. Man bedenke, dass die Personenzüge der Transsibirischen Eisenbahn mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 50 km/h unterwegs sind, Schnellzüge durchschnittlich mit 90 km/h. Doch bei der Bahnfahrt durch Russland geht es vor allem um den Mythos der Eisenbahn. Ein Ausflug in eine Zeit vor Business-Class-Flügen in Touristenregionen und Hektik am Check-In-Schalter. Denn die Eisenbahnfahrt durch das große, unbekannte Sibirien ist ein Abenteuer in die romantische Natur. Die lange Fahrzeit führt auch zu zahlreichen unwahrscheinlichen Begegnungen, für die im Alltag keine Zeit bleibt. In den Zugabteilen der Transsibirischen Eisenbahn kommen die verschiedensten Menschen, aus den verschiedensten Ländern, miteinander ins Gespräch. Zudem ranken sich um die Bahn zahlreiche Legenden, die zu ihrem Mythos beitragen: So wurde 1938 der berühmte russische Balletttänzer Rudolf Nureyev in einem Zug der Transsibirischen Eisenbahn, nahe der Stadt Irkutsk, geboren. Seine Mutter wollte nach Wladiwostok reisen, um Rudolfs Vater zu besuchen, der dort als Soldat der Roten Armee stationiert war.

Bahnreisen wie in alten Zeiten

Reisende können zunächst zwischen dem Regelzug und dem Sonderzug „Zarengold“ wählen. In den Regelzügen sind zwei Klassen mit zwei- und vier-Bettabteilen verfügbar, ohne großen Luxus. Zudem müssen Fahrgäste ihre Aufenthalte in den Städten selbst planen – anders als im Sonderzug. Wer etwas komfortabler reisen möchte, wählt daher den „Zarengold“, der unter anderem „Nostalgie“-Abteile mit authentischem Flair bietet. Diese befinden sich in den Original-Waggons, die der ehemalige Staatschef Leonid Iljitsch Breschnew in den 1950er Jahren für hohe Regierungsangestellte und offizielle Gäste bauen ließ.

Egal ob Regel- oder Sonderzug: Die Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn ist ein Erlebnis, das Menschen verbindet und einen ehrlichen Einblick in die verschiedenen Regionen Russlands gibt. Und übrigens: Eine Fahrt zwischen den WM-Spielorten Moskau und Jekaterinburg dauert mit der Transsibirischen Eisenbahn mehr als 27 Stunden. Zeit genug, um die Landschaft zu genießen, Menschen kennenzulernen und ausführlich über Fußball zu diskutieren.

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