Zum Inhalt springen
Land und Leute

Mit der Gäubahn zur Wanderung: Vom Bodensee zum Mindelsee

Radolfzell – Strandbad Mindelsee – Dürrenhof – Markelfingen

Den Bodensee kennt jeder, den Mindelsee wahrscheinlich nicht so viele Besucher des Schwäbischen Meeres. Dabei hat dieser See doch einiges zu bieten. Vor allem ist er, da nicht so groß, intimer, idyllischer und ruhiger, mehr den Wanderern vorbehalten. Auch wenn ihm natürlich die Weite des Bodensees und der Blick zum Schweizer Ufer oder gar entlang des Sees fehlt, wo das Ende aufgrund der Erdkrümmung an manchen Stellen gar nicht mehr zu sehen ist – Meer eben.

 

Aber das wichtigste an einem See – eine Badestelle – gibt es natürlich auch am Mindelsee. Und so führt diese Wanderung von der alten Stadt Radolfzell zu diesem Binnensee; wir wandern durch einen recht naturnahen Wald, durch ein typisches Ried, aber auch direkt am Mindelsee entlang. Schöne, ja fast urwaldartige Szenarien bieten die Wegstrecken durch das Ried, und fast traumhaft ist der Ausblick von der Höhe auf den See, der mit seiner türkisgrünen Färbung ein Bild bietet, das farblich an ein Südseeatoll erinnert. Zudem bieten das leichte Auf und Ab der Wanderung, die Wiesen, Ried- und Waldstücke und die Blicke auf den See Abwechslung ohne Ende.

Diese Wanderung findet wieder zusammen mit bwegt, der neuen Mobilitätsmarke in Baden-Württemberg, statt. Das heißt, die An- und Abreise erfolgen bequemerweise mit der Bahn, genauer gesagt der Gäubahn. Das erspart Parkplatzsorgen und Ärger auf der Straße, so dass ein schöner Wandertag bereits bei der Anfahrt beginnt. Und da wir nicht am Ausgangspunkt, sondern einem anderen Bahnhof einstiegen, können wir bei dieser Tour auch die Vorteile der öffentlichen Verkehrsmittel voll auskosten.

 

Ausgangspunkt:

Radolfzell

Wegverlauf:

Wir starten am Bahnhof, wie es sich bei einer Anfahrt mit der Gäubahn von bwegt gehört. Wer will kann vor der Wanderung einen kurzen Abstecher zum Bodensee und dem Bootshafen machen – sie liegen auf der der Stadt abgewandeten Seite gleich hinter den Gleisen.

Ansonsten gehen wir von den Gleisen in Richtung Stadt bis zum Bahnhofsplatz und halten uns rechts. Bald werden wir nach links in den „Stadtgarten“ verwiesen.

Wir durchqueren diese reizvoll angelegte Anlage, danach geht es etwas nach rechts versetzt in der Fürstenbergstraße weiter. Nach dem liebenswert altertümlichen, an die 1960er/70er Jahre erinnernden Kino „Universum“ biegen wir rechts ab in die Markthallenstraße. Sie bringt uns zu einem Kreisverkehr. Dort gehen wir nach rechts weiter und stoßen gleich darauf auf die Konstanzer Straße.

Hier orientieren wir uns links, gehen am nächsten Kreisverkehr geradeaus weiter und folgen der Konstanzer Straße immer weiter. Nach dem Wohngebiet kommen wir wieder zu einem Kreisverkehr. Hinter ihm sehen wir bei der kleinen Kapelle St. Anna am Waldhag das Wanderschild „Weinburg (402 m)“. Hier wandern wir mit dem Zeichen des Bodensee Rundwegs entlang der Radolfzeller Straße weiter.

Nun ab in die Natur – zum Strandbad

Nach dem links liegenden Wohngebiet werden wir mit dem Zeichen über die Straße nach rechts zum Waldrand verwiesen. Kurz darauf weist uns das Zeichen nach links in den Wald.

Etwas später biegen wir an einem Querweg rechts ab. Es geht am Wanderzeichen „Im Hirschbrunnen (445 m)“ vorbei. Später zieht der Weg leicht nach links und aus dem Wald hinaus. An einer spitzen Waldecke biegen wir in Richtung „Mindelsee“ links in den Asphaltweg ein. Er bringt uns zu einem Querweg, wo wir das Wanderzeichen „Mindelseeried (409 m)“ sehen. Hier biegen wir links ab.

Nun folgen wir dem Weg durch das Mindelseeried, das mit seinen reichen Schilfbeständen einen recht idyllischen, ja stellenweise sogar fast urwaldartigen Eindruck erweckt. Es geht am Abzweig zum Wanderparkplatz Möggingen vorbei und etwas später zweigt ein schmaler Pfad nach rechts zum Mögginger Strandbad ab. Ist das Wetter schön, lohnt sich dieser Abstecher. Nicht nur dass man dort ins Wasser springen und sich erfrischen kann, es handelt sich auch um einen überaus idyllischen Fleck Erde: Bäume sorgen für Schatten und man hat einen prächtigen Blick über den Mindelsee. Auch einen Badesteg zum Sprung ins kühle Nass gibt es. An schönen Tagen ist hier allerdings reger Badebetrieb.

Der Mindelsee – ein besonderes Gewässer

Der Mindelsee, ein einst neun Kilometer langer Schmelzwassersee, liegt in der Grundmoränenlandschaft des Bodanrücks, die während der letzten Eiszeit vom Rheingletscher modelliert wurde und seit etwa 14 000 Jahren eisfrei ist. Seit 1938 stehen der Mindelsee und seine Umgebung unter Naturschutz, es handelt sich um eines der ältesten Naturschutzgebiete des Landes. Das Moor ist bis zu zehn Meter mächtig. Der bis zu 13,5 Meter tiefe See ist heute 2,2 Kilometer lang und 500 Meter breit, seine Uferlänge beträgt 5,3 Kilometer. Hier hat man schon fast 700 Blütenpflanzen, 120 Moos- und mehrere Hundert Algenarten gezählt, außerdem 594 Käfer-, 433 Schmetterlings- und 40 Libellenarten. Mehr als 90 Vogelarten, darunter so seltene wie Drosselrohrsänger, Flussseeschwalbe, Neuntöter und Schwarzkehlchen, brüten hier. Jedes Jahr wechseln über 20 000 Reiherenten im Herbst hier ihr Federkleid. Auch die Insektenwelt hat Besonderheiten aufzuweisen: Um den See leben Sumpfschrecke, Sumpfgrille und die Tagfalter Blaukernauge und Goldener Scheckenfalter. An Libellenarten findet man Helm-Azurjungfer, Gebänderte Prachtlibelle und die Späte Adonislibelle. Im Wasser leben Plötze, Rotfeder, Barsch, Hecht, Aal und Brachsen, bis in die 1930er-Jahre sogar über zwei Meter lange Welse – 1938 wurde gar ein 2,40 Meter langes Exemplar gefangen! Kostbarkeiten der Pflanzenwelt sind in den Feucht- und Riedwiesen Mehlprimel, Fettkraut, Breitblättriges Wollgras, Schwalbenwurz-Enzian und stark gefährdete Orchideen wie Glanzstendel und Sommer-Drehwurz. An Standorten auf trockenen Wiesen wachsen das Kleine Knabenkraut, Brand-Knabenkraut und Frühlings-Enzian. Seit 1976 ist das Naturschutzgebiet als „International bedeutsames Feuchtgebiet für Wat- und Wasservögel“ gemäß der Ramsar-Konvention anerkannt und es ist ein wichtiger Bestandteil des internationalen Netzwerks „Natura 2000“.

Zurückgekehrt geht es nach rechts weiter bis zu einem querenden Weg. Ihm folgen wir nach rechts. Wir wandern erst relativ flach bis zu einem scharfen Linksknick des Weges vor dem Wald. Direkt hinter dem Wegknick können wir uns nicht nur auf einer Informationstafel über den Mindelsee und seine Natur informieren, hinter der Tafel steht auch eine mächtige Eiche, wie man sie so selten sieht.

Einkehr im Rosen Stüble

Nun folgen wir dem Weg etwas bergauf bis zu einem querenden Weg; er bringt uns nach rechts zum Dürrenhof. Hier kann man sich im Rosen Stüble mit Essen und Trinken versorgen, zwar nur in Selbstbedienung aus dem Kühlschrank, aber mit Kuchen und ähnlichem aus dem Einmachglas recht originell.

Danach geht es auf dem Schotterweg weiter. Etwas später haben wir nach rechts einen prächtigen Blick hinab zum Mindelsee: Hier fällt uns auch die eindrucksvolle türkise Färbung auf. Auch die Länge des Sees, die man sich von hier aus gut vorstellen kann, überrascht, denn auf der Karte sieht er doch relativ klein aus.

Nach etwas bergab sehen wir kurz darauf links oben den Hirtenhof. Hier biegen wir gleich nach dem Wald, aber noch vor dem bereits sichtbaren Wegweiser und einem Flurkreuz, rechts ab.

Es geht kurz durch ein Waldstück, danach durch eine recht naturnahe Landschaft, die einen riedartigen Charakter aufweist. Der Weg knickt nach einem kleinen Bach links ab, gleich darauf dürfen wir den nach rechts weisenden Wegweiser nicht verpassen. Das folgende Wegstück ist recht wild mit dicht wachsenden, in den Pfad hinein wuchernden Schilfbeständen bewachsen. Danach erfreuen wir uns im Wald an einer Allee von Birken, die etwas an manche Pfade im Schwarzwald erinnert.

An einem querenden Weg sehen wir das Wanderschild „Seewiese (412 m)“. Hier geht es nach rechts weiter in Richtung „Markelfingen“. Wir wandern am Schild „Mooshalde“ vorbei und haben ab und zu einen Blick oder sogar einen Zugang zum Mindelsee.

Schließlich zieht der Weg nach links und nach einem weiteren Stück Wald kommen wir zu einem Parkplatz am Waldrand. Hier orientieren wir uns rechts. Wir unterqueren die B 33 und kommen dahinter hinein nach Markelfingen, unseren Zielort.

Dort spazieren wir geradeaus durch den ganzen Ort hindurch und stoßen nach ihm auf die Bahnstation. Hier steigen wir wieder in die Bahn ein und lassen uns bequem nach Hause fahren.

Info

           


Länge

             


Etwa 16 km

 

Zeit:

 

Etwa 4 Stunden

 

Höhenunterschied:

 

Etwa 150 m

 

Empfohlene Karten:

 

 

Wanderkarte Westlicher Bodensee (LGL); Wanderkarte mit Radwegen Blatt 51-529 Bodensee West NaturNavi

 

Sonstiges:

 

Wir wandern auf festen Wegen.  

 

Einkehren:

 

Dürrenhof, Markelfingen

 

Öffentliche Verkehrsmittel:

 

Gäubahn

Wer mehr zu den Erlebnissen und Highlights auf dieser Tour erfahren möchte, sollte in jedem Fall den ausführlichen Erlebnisbericht von Dieter Buck hier lesen

Magazin-Artikel veröffentlicht am 04.09.2018