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Familie Sutter hofft auf ungetrübten Bahngenuss.

Danja und Frank Sutter sind überzeugte Bahnpendler. Corona hat sie plötzlich ausgebremst. Die beiden erzählen, wie sie und ihre beiden Töchter bislang durch die Krise gekommen sind. Mit und ohne Bahn.

Nach über drei Monaten Home-Office endlich wieder raus! Zu den Kollegen, den Kunden. Was für Frank Sutter langsam zur täglichen Routine wird, bleibt für seine Frau Danja vorerst ein Wunschtraum. Die beiden wohnen in der Nähe von Lörrach, ganz im Süden Deutschlands und nah an der Grenze zu Frankreich und der Schweiz. Schön haben sie’s dort in Schopfheim.

Bahnfahren für den Umweltschutz

Danja arbeitet für ein Pharmaunternehmen in Grenzach-Wyhlen. Obwohl sie mit dem Auto in der halben Zeit an ihrem Arbeitsplatz sein könnte, nimmt sie die Bahn. „Ich möchte Vorbild sein für meine Kinder. Und weil Umweltschutz ja die Zukunft von uns allen betrifft“, sagt sie mit voller Überzeugung. Den zeitlichen Mehraufwand dafür nimmt die Betriebswirtin gern in Kauf. Positiver Nebeneffekt ist außerdem der Fußweg, den sie auf dem Weg zur Arbeit dann noch von der Bahnstation zur Firma nimmt. Aber das war vor Corona. Bis zum Jahresende soll sie noch überwiegend von zu Hause aus arbeiten, wie der Großteil ihrer Kollegen. Denn: „Gesundheit geht vor“, sagt ihr Arbeitgeber.

Familie Sutter ist dankbar für alles, was jetzt wieder erlaubt ist.

Optimaler Nahverkehr in die Schweiz

Danjas Mann Frank hingegen darf schon wieder ins Büro. Allerdings auch nur jeden zweiten Tag im Wechsel mit den Kollegen. Für ihn ist die Bahnverbindung nach Basel ideal. „Das geht schneller als mit dem Auto. Deshalb nehmen hier fast alle, die in der Schweiz arbeiten, die Bahn“, erklärt Frank. „Außerdem hat man so kein Parkplatzproblem in der Stadt.“

Das Jahresabo übernehmen die Töchter

Und Danjas bezahltes Jahresabo? „Das ist übertragbar“, sagt sie erleichtert. „Und so können es meine Töchter nutzen, wenn sie zu ihren Freunden fahren wollen.“ In die Schule gehen die beiden zu Fuß. Danja selbst nutzt ihr Bahn-Abo weiterhin, wenn sie am Wochenende nach Lörrach fährt, ganz ohne Stress und teures Parkticket. „Aber demnächst möchte ich schon wieder mal einen Tag ins Büro fahren. Ich bin es einfach gewohnt, morgens zum Arbeiten aus dem Haus zu gehen. Und mich vor allem persönlich mit den Kollegen auszutauschen. Das fehlt mir schon.“

Weniger frei durch Hygienevorschriften

Zu schaffen macht ihr allerdings die Maskenpflicht im Zug. „Ich fühle mich noch immer irgendwie unwohl damit und bin froh, wenn ich die Maske im Freien wieder abziehen kann“, meint Danja. Auch für Frank ist die Bahnfahrt zur Arbeit jetzt irgendwie seltsam: „Man muss halt immer auf die anderen achten, damit der Abstand eingehalten werden kann.“ Und der Plausch in der Bahn mit den anderen Pendlern, die er so kennt, fehlt ihm: „Die Unterhaltung mit Maske macht nicht wirklich Spaß. Außerdem sind einfach noch viele im Homeoffice.“

Corona zwingt zum Umdenken

Auch Franks Arbeit hat sich durch Corona verändert. Er ist Banker und bearbeitet nun zusätzlich Überbrückungskredite für Corona-geschädigte Betriebe. Gespräche mit seinen Klienten führt Frank Sutter jetzt durch eine Plexiglasscheibe. „Das fühlt sich an wie im Gefängnis“, meint er. Und auch der vertraute Handschlag ist derzeit tabu. „Man muss ständig anders handeln als gewöhnlich. Das ist auf Dauer ziemlich anstrengend“, findet Frank. Auf dem Heimweg in der Bahn konnte er bisher die deutschen Grenzgänger an der Maske erkennen. Die setzten sie schon gleich in Basel auf der Fahrt nach Deutschland auf. Wer nur in der Schweiz unterwegs ist, musste bisher keine Maske tragen. Seit dem 6. Juli gilt aber auch hier im öffentlichen Verkehr die Pflicht zum Mund-Nasen-Schutz.

Froh über jede Lockerung

Insgesamt sind die Sutters gemeinsam gut durch den Lockdown gekommen und haben in der Krise die eine oder andere neue Seite an sich entdeckt. Dennoch: „Wir hoffen einfach nur, dass alles bald wieder normal wird. Und sind natürlich dankbar für alles, was jetzt wieder erlaubt ist.“ Zum Beispiel das Tennisdoppel im Verein, in dem Frank Vorstand ist.

Magazin-Artikel veröffentlicht am 09.07.2020