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Fahrgastbeirat setzt Prioritäten: „Fahrgäste müssen sich wohl und sicher fühlen.“

Kennen Sie eigentlich den Fahrgastbeirat? Dieses Gremium vertritt die Interessen der ÖPNV-Nutzer beim Land Baden-Württemberg. Das ist gerade jetzt, wenn das öffentliche Leben und damit auch die Fahrpläne wieder hochfahren, besonders wichtig. Für den Vorsitzenden Matthias Lieb, selbst leidenschaftlicher Bahnfahrer, steht in Zeiten von Corona die Sicherheit an oberster Stelle.

© Olaser/iStock

Der 55-jährige Diplom-Wirtschaftsmathematiker ist froh, dass endlich etwas Normalität in den Alltag zurückkehrt und auch der öffentliche Nahverkehr wieder bis zu 80 Prozent des Fahrplans abdeckt. Seit die Produktion in den Firmen wieder anläuft und die Schulen nach und nach öffnen, machen sich nämlich wieder mehr Menschen täglich auf den Weg.

„Es ist enorm wichtig, ein weitgehend vollständiges Angebot für Berufstätige bereitzustellen, damit diese ihre Fahrzeiten einhalten können. Nur dann werden sie den ÖPNV nutzen, statt aufs Auto umzusteigen“, betont Matthias Lieb. Das ist die eine Seite. Fast noch wichtiger ist ihm ein zweiter Punkt, mit dem sich der Fahrgastbeirat aktiv beim Land eingebracht hat.

Maske, Abstand und Respekt

Mit Maske und Abstand schwindet die Lust zu reden. Doch dass die Maßnahmen notwendig sind, um die Ansteckungsgefahr einzudämmen, sieht auch Björn Widmann so. Nach seiner Beobachtung gehen die Menschen in der Bahn aufgrund der Maske automatisch auf Distanz. Auch setzt sich niemand mehr neben einen. Im Gegensatz zu früher findet er dennoch garantiert einen Platz – es ist teilweise noch leerer in den Bahnen. Außerdem fällt ihm auf, dass die Fahrgäste rücksichtsvoller miteinander umgehen. Insofern fühlt er sich weiterhin sicher in den öffentlichen Verkehrsmitteln, selbst wenn die Anzahl derer, die die Bahn nehmen, in den nächsten Tagen steigen wird. „Ich wünsche mir, dass alle sich an die Maskenpflicht halten. Dann hätte ich auch kein Problem, wenn man sich gegenübersitzt“, sagt er.

„Es ist von zentraler Bedeutung, dass sich die Fahrgäste auch in Zukunft in den öffentlichen Verkehrsmitteln wohl und sicher fühlen“, sagt er – und ist erleichtert. Seine Vorschläge dafür sind in das Konzept eingeflossen, das die Landesregierung, Kommunal- und Verkehrsverbünde zusammen aufgestellt haben, um die Fahrpläne nach und nach zu erweitern.

Sicherheit der Fahrgäste

„Auf eins muss der Fahrgast sich verlassen können: dass alles Notwendige unternommen wird, um weitgehend sichere Fahrten zu gewährleisten“, erläutert er und zählt auf: „Dazu gehören beispielsweise das automatische Öffnen der Türen oder zusätzliche Maßnahmen wie das regelmäßige Desinfizieren von Türen, Haltestangen und -griffen.“

Diese Sicherheitsregeln sind entscheidend, damit Bus und Bahn weiterhin eine Option bleiben, um von A nach B zu kommen – und um möglichst schnell wieder zu einem „normalen“ Betrieb zurückzufinden. Im Moment ist er zuversichtlich, dass das klappt, wenn alle an einem Strang ziehen, Betreiber und Fahrgäste.

Tipps für mehr Abstand

In den letzten Wochen hat er, wenn er mit der Bahn unterwegs war, die Fahrgäste als sehr diszipliniert erlebt. Alle haben sich bemüht, so viel Abstand wie möglich einzuhalten. Damit es beim Ein- und Aussteigen nicht zu eng wird, plädiert er zudem für mehr Bewegung auf den Bahnsteigen.

„Die Fahrgäste sollten sich bereits beim Einsteigen über die ganze Zuglänge verteilen. Viele bevorzugen die vorderen Eingangstüren. Es wäre viel besser, alle Türen zu nutzen und gleich weiter hinten einzusteigen.“

Wie geht es weiter?

Die Fahrgäste sind aufmerksam – und bringen viele Themen auf den Tisch Ihres Fürsprechers und des ganzen Fahrgastbeirates. Beispielsweise Klimaanlagen und Luftaustausch: Gibt es hier Risiken, die zu beachten sind? Oder auch spezifische gesundheitliche Faktoren bei Vielnutzern des ÖPNV: Sind viele möglicherweise bereits immun, ohne etwas davon zu wissen? Mit diesen Fragestellungen will das Gremium in den nächsten Tagen auf das Land zugehen und um Klärung bitten – zum Beispiel, wo es dazu Studien mit zuverlässigen Erkenntnissen gibt und wie die Verkehrsunternehmen darauf reagieren.

„Die Menschen müssen wissen, dass sich die Verantwortlichen um alles kümmern, was ihre Sicherheit betrifft, damit sie dem öffentlichen Nahverkehr weiterhin vertrauen“, betont Matthias Lieb: „Sonst steigen sie wieder vermehrt aufs Auto um, mit allen negativen Folgen wie Staus, Unfällen und schädlichen Auswirkungen auf den Klimaschutz.“

Magazin-Artikel veröffentlicht am 27.05.2020