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Diese EFA hat ganz schön Potenzial!

Schnell noch die App checken, ob die Bahn gleich wie geplant fährt. So werden Baden-Württembergs Schüler und Berufspendler jetzt nach und nach wieder in ihren Alltag starten. Die gewohnte Fahrplanauskunft EFA der Nahverkehrsgesellschaft des Landes (NVBW) ist für sie in diesen Tagen besonders nützlich.

© Amanda Weimer

Bis Busse und Bahnen ab Mitte Juni wieder im Normalbetrieb fahren, wird der Nahverkehr erst einmal schrittweise an den Bedarf angepasst. So lange wird Wolfgang Schroeder weiter im Ausnahmezustand arbeiten. Wie schon seit März, als mit dem Lockdown auch die Fahrpläne wöchentlich geändert wurden. Als Chef der EFA-Leitzentrale Baden-Württemberg ist er verantwortlich dafür, dass die elektronische Fahrplanauskunft aktuell und zuverlässig funktioniert.

Denn „EFA“ weiß Bescheid: Der kostenlose Fahrplan-Service liefert eine Tür-zu-Tür-Auskunft für Bus und Bahn – in Baden-Württemberg und den angrenzenden Regionen. Für iPhone und Android-Geräte ist das Tool natürlich auch als App verfügbar.

Eine Flut von Datenlieferungen

Die Fahrplandaten von 200.000 Linien und 400.000 Haltestellen muss Wolfgang Schroeder täglich für die elektronische Fahrplanauskunft auf dem neuesten Stand halten. Nachts werden die Updates, die er von den Verkehrsunternehmen am Vortag bekommen hat, auf einem Server zusammengeführt. In normalen Zeiten sind das 20 bis 30 neue Datenpakete. Am Morgen gleicht der Diplom-Informatiker diese Testversion mit den Datenprotokollen ab und checkt, ob die Fehler des Vortags bereinigt sind.

Auch wenn ein Großteil der Arbeit automatisch softwaregesteuert abläuft, muss Schroeder immer wieder Daten auch manuell aussortieren oder korrigieren. Danach fragt er stichprobenartig ein paar Fahrplanauskünfte ab. Erst wenn der Leitzentralenchef davon überzeugt ist, dass die aktuelle Version stabil und fehlerfrei läuft, lädt er die Fahrplandaten auf die sechs Server der Leitzentrale hoch. Dann sind sie für die Nutzer verfügbar.

Große Datenimporte muss Schroeder normalerweise jeweils nur zu den drei, vier festgelegten Fahrplanwechseln im Jahr bewältigen. „In den letzten fünf Wochen haben wir allein von den drei großen Regionalbusgesellschaften im Land ganze 75 Datenlieferungen importiert. Das ist mehr als sonst in einem ganzen Jahr“, schildert Wolfgang Schroeder die aktuelle Lage in der Leitzentrale.

Auf dem Weg zur Echtzeit-Auskunft

Damit ist das Tagespensum von Schroeder noch lange nicht erfüllt. Als nächstes geht er den Datenfehlern im System auf den Grund. Die schickt ihm seine Kollegin Ute Wahler auf den Rechner. Bei ihr laufen alle Hinweise auf, die die Nutzer von EFA per Problem-Melde-Button auf der Benutzeroberfläche an die Leitzentrale übermitteln. 90 Prozent aller Fehler in EFA werden von ihnen entdeckt, gemeldet und von dem Team in der EFA-Zentrale dann bereinigt.

Von anfänglich 15 Fehlermeldungen, denen Schroeder früher nachgehen musste, sind es heute nur noch drei bis vier am Tag. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Auskunft immer besser und genauer wird. Das liegt an dem sorgfältigen Qualitätsmanagement in der Leitzentrale, aber auch an den Verkehrsunternehmen, die immer exaktere Daten liefern. Und daran, dass EFA inzwischen im Echtzeit-Betrieb läuft. Der ermöglicht es, dass Verspätungen oder Ausfälle von Bussen und Bahnen sofort auf das Smartphone der EFA-Nutzer gemeldet werden.

„Technisch ist die Integration der Echtzeitdaten in das System zwar aufwendig, aber machbar“, erklärt Diplom-Informatiker Wolfgang Schroeder. Die Hälfte aller Verbindungen, die über EFA abgerufen werden können, greift derzeit auf Echtzeitdaten zu. Die zu liefern, ist Sache der Verkehrsunternehmen. Für die Großen der Branche ist das kein Problem. Kleineren Unternehmen fehlt dafür aber meist das rechnergestützte Betriebsleitsystem. Lösungen für mehr Echtzeitdaten zu entwickeln, ist die Aufgabe von Harald Bender in der EFA-Leitzentrale.

Gut unterwegs trotz Mobilitätseinschränkung

Nur Hand in Hand mit den Verkehrsunternehmen wird auch das nächste Großprojekt gelingen: Die optimale Fahrplanauskunft für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. „Technisch kann das mit einem Programm schnell gelöst werden“, weiß Wolfgang Schroeder. „Viel schwieriger ist es, alle dafür notwendigen Daten zu sammeln, etwa, ob eine Haltestelle nachts beleuchtet oder mit Blindenleitstreifen ausgestattet ist.“

Auch die Eigenschaften der Fahrzeuge müssen bekannt sein: Ist es ein Niederflurbus? Ist eine Rampe für einen Rollstuhl vorhanden? Diese Daten müssen die Verkehrsunternehmen liefern. Schroeder meint, dass er in anderthalb Jahren eine solche Plattform zur Verfügung stellen kann. „Ob dann alle nötigen Daten vorliegen, wage ich zu bezweifeln. Denn das ist ein ganz dickes Brett, das da gebohrt werden muss.“ Dennoch: Es ist eine verpflichtende Vorgabe der EU, dass Fahrplanauskunftssysteme künftig in der Lage sein müssen, mobilitätseingeschränkten Menschen sinnvolle Verkehrsinformationen zu bieten.

Reiseplanung mit EFA

Wolfgang Schroeder hat als Mann der ersten Stunde EFA auf den Weg gebracht. Deshalb kennt er ihr Potenzial und das Umfeld ganz genau. Und weiß, dass in EFA noch viel mehr steckt als eine elektronische Fahrplanauskunft, mit der man Verbindungen von A nach B abrufen kann. Inklusive aller Umstiege, Wartezeiten und Fahrpreise.

EFA und ihre Macher denken mit ihren Fahrplanauskünften nicht nur deutschlandweit, sondern längst schon europäisch. Durch eine Kooperation mit den Baseler Verkehrsbetrieben stehen den Nutzern auch sämtliche Verkehrsverbindungen in der gesamten Schweiz zur Verfügung – inklusive aller Bergbahnen bis hin zum Schiffsverkehr auf dem Vierwaldstätter See. Außerdem sind die Busse und Bahnen im Großraum Straßburg sowie alle Verkehrsverbindungen in Luxemburg über EFA abrufbar.

Die NVBW ist aber auch an EU-Spirit beteiligt. Was als Forschungsprojekt begann, wird heute als Fahrplaninformationssystem über geographische Grenzen hinaus fortgesetzt. Zusammen mit Ost-Frankreich, Luxemburg, Dänemark, Schweden und Warschau. Nur in Süddeutschland holpert es noch ein wenig mit der Anbindung der österreichischen Nachbarn. „Wenn diese Lücke geschlossen wäre, könnte EFA den gesamten Wirtschaftsraum Baden-Württemberg abdecken“, sagt Schroeder.

Datendienste fördern den öffentlichen Verkehr

Die große Zukunft von EFA sieht der Chef der Leitzentrale aber auch in den Datendiensten. Sein Vorzeigebeispiel ist der Kartendienst Here, der viele Navigationssysteme füttert. Damit können Autofahrer auch ihre Weiterfahrt in Innenstädten mit dem Nahverkehr planen. „Die dafür aufbereiteten Daten kommen von uns“, sagt Schroeder nicht ohne Stolz. Auch Tourismusverbände nutzen diese Dienstleistung der EFA-Leitzentrale, damit ihre Gäste die optimale ÖPNV-Verbindung für ihre Anreise finden können und vor Ort dann für den Besuch der Sehenswürdigkeiten oder von Veranstaltungen.

Schroeder denkt noch weiter: Etwa an Makler, die ihre angebotenen Immobilien mit der guten Anbindung an den öffentlichen Verkehr bewerben wollen. Und an Landkreise, Kultureinrichtungen, Firmen, Start-ups. „Wir bieten jedem, der eine Verkehrsauskunft in seine Arbeit einbinden will, der eine super-geniale Idee hat, unsere ÖV-Dienste an.“

Magazin-Artikel veröffentlicht am 20.05.2020