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Buchtipps für Bahnfahrer auf Ent-Zug.

Das herrliche Wetter nutzen und einen Ausflug mit Freunden machen, mit Bus oder Bahn die wunderbaren Landschaftsstrecken genießen – das ist im Moment nicht erlaubt. Wer weg will, der muss andere Wege suchen. Hier gibt es Tipps für alle, die das Zugfahren vermissen, um die Zeit des Ent-Zugs zu überbrücken.

Was aber kann man tun, damit einen nicht der Blues packt angesichts der verpassten Möglichkeiten? Die Sonne lässt sich glücklicherweise auch zu Hause genießen, unter dem Sonnenschirm, auf einem Liegestuhl, im Garten, auf dem Balkon, sogar in einem gemütlichen Sessel am offenen Fenster. Die Zeit kann man sich prima mit einem Buch vertreiben. Dann geht eben der Geist auf Reise, bis es soweit ist, dass man den Blick wieder aus dem Zugfenster über die vorbeiziehenden Landschaften schweifen lassen kann. Mit den folgenden Buchtipps wird das sogar eingefleischten Zugfahrern gelingen, Zug-Feeling inklusive.

Zugreise nach innen

Tiefschürfend geht es in dem Krimi „Der Nachtzug nach Lissabon“ zu. Als melancholisch und leicht philosophisch angehauchter Roman regt er dazu an, die Gedanken schweifen zu lassen: Was wäre, wenn man die Zeit zurückdrehen, die Weichen neu stellen und eine ganz andere Richtung einschlagen könnte... Fragen wie diese stellt sich der Protagonist – ein Lehrer, der mitten im Unterricht seine Schule verlässt und sich per Bahn auf den Weg nach Lissabon macht, um den Spuren eines geheimnisvollen Autors zu folgen. Es ist der Beginn einer wundervollen Reise, auf der er nicht nur neue Seiten an sich entdeckt, sondern auch erstmals bewusst um sich blickt. Doch was er sieht, könnte ihn das Leben kosten. 
Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon

Auf 500 Bahnstrecken um die Welt

Auch wenn das Erlebnis einer echten Zugfahrt durch Lektüre kaum zu ersetzen ist, bietet das Buch von Sarah Baxter ein Höchstmaß an Einstimmung. In „500 Zugreisen. Legendäre Eisenbahnfahrten weltweit“ kommen Streckenfans voll auf ihre Kosten; sie erzählen von antiken Monumenten, atemberaubenden Landschaften, berühmten Entdeckern, Wolkenkratzern und Megastädten. Die Autorin durchreist im Rahmen der internationalen Routen die Geschichte der Erde und der Menschheit, von der Urzeit bis zur Gegenwart. Unvorstellbar? Nein. Doch wie kongenial Baxter das eine mit dem anderen verknüpft, muss man selbst erleben und kann sich ganz nebenbei durch die zahlreichen Bilder sowie Streckenkarten inspirieren lassen. Wen danach die Sehnsucht packt, der kann schon mal vorplanen. Eine der Routen liegt sogar in Baden-Württemberg: Die Murgtalbahn, die Rastatt mit Freudenstadt verbindet, wurde in die Sammlung der weltweiten Eisenbahngeschichte(n) mit aufgenommen.
Sarah Baxter: 500 Zugreisen. Legendäre Eisenbahnfahrten weltweit.

Spannung bis zur letzten Seite

„Girl on the Train“ von Paula Hawkins wiederum ist ein Buch, das man „in einem Zug“ lesen kann. Einmal angefangen, lässt einen die Story nicht mehr los, bevor nicht auch die letzte Seite verschlungen ist: Rachel ist Alkoholikerin und geschieden. Jeden Morgen pendelt sie mit dem Zug nach London, und jeden Morgen hält der Zug an der gleichen Stelle auf der Strecke an. Sie blickt in die Gärten der Häuser und beobachtet die dort lebenden Menschen, unter anderem Jess und Jason, ein scheinbar perfektes Pärchen. Doch eines Tages verschwindet Jess – und Rachel hat etwas gesehen. Als sie ihre Beobachtung der Polizei meldet, verstrickt sie sich damit unentrinnbar in die folgenden Ereignisse. Der Thriller-Bestseller von 2015 sorgt garantiert für Gänsehaut, sogar auf der Sonnenliege.
Paula Hawkins: Girl on the Train. Du kennst sie nicht, aber sie kennt dich.

Einstieg mit Humor

Wer einfach mal etwas zum Lachen braucht, um den Kopf virenfrei zu bekommen, sollte zu Mark Krügers witziger Sammlung kurioser Bahnansagen greifen. In „Der Lokführer hat den Zug verpasst“ zeigt sich neben manch vergnüglichem Versprecher das humoristische wie poetische Potenzial deutscher Zugführer. Eines der ganz heißen Themen ist die Benutzung der Türen beim Einsteigen,  dokumentiert durch launige Ansagen wie diese: „Wir haben gerade Happy Hour. Alle 18 Türen sind im Fahrpreis inbegriffen, nicht nur die erste und die letzte.“ Wer kann bei solch einer Aufforderung schon Nein sagen?
Mark Krüger: Der Lokführer hat den Zug verpasst- Kuriose Bahnansagen.

Noch mehr zum Schmunzeln gibt es auf Instagram unter BahnAnsagen, wo sich beispielsweise ein Lokführer, ganz up to date, aus dem Home-Office bei seinen Fahrgästen meldet ;-)  

Dampflok-Abenteuer für die Kleinen 

Warum eigentlich ist für so viele Kinder Lokomotivführer, und heutzutage auch Lokomotivführerin, ein Traumberuf? Das versteht, wer seinen Kindern die sympathischen Bilderbuchgeschichten von Jim Knopf und Lukas, dem Lokomotivführer, vorliest. Ein Riesenspaß und eine tolle Abwechslung nicht nur für die Dreikäsehochs, sondern auch für die Vorleser. Die Bewohner von Lummerland sind in großer Aufregung: Ein geheimnisvolles Paket ist auf ihrer Insel gelandet. Darin befindet sich – der kleine Jim Knopf! Jim und Lukas, der Lokomotivführer, werden sofort die besten Freunde. Zwei, die zusammenhalten wie Pech und Schwefel und mit Emma, der nicht minder sympathischen Dampflok, große Abenteuer bestehen.
Beate Dölling, Mathias Weber: Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer.

Bestellen und genießen

Bleibt noch die Frage: Wie kommt das Buch zum Leser? Eine gute Idee ist die Bestellung über den örtlichen Buchhandel, der die Solidarität seiner Kundschaft in diesen Zeiten dringend braucht. Auch wenn die Geschäfte schließen mussten, sind viele weiterhin telefonisch oder per E-Mail für Bestellungen erreichbar und bieten einen den Umständen angepassten Abhol- oder Zustellservice.

Übrigens: Manche der vorgestellten Bücher sind auch als Hörbuch erhältlich. Auf diese Weise lässt sich das Element der Fortbewegung mit der Lektüre verbinden, zum Beispiel beim Spazierengehen. Denn, auch wenn Ausflüge nicht erlaubt sind: Spazierengehen darf man weiterhin.

Magazin-Artikel veröffentlicht am 09.04.2020