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Bahn-Kino für Daheimgebliebene.

Wenn man nicht mehr aus den eigenen vier Wänden darf, muss man die Welt nach Hause holen. Die folgenden Filmtipps versprechen tolle Unterhaltung dank spannender, lustiger und überraschender Plots, die sich rund um die Bahn drehen: Großes Kino für Daheimgebliebene – nur Zugfahren ist schöner.

Früher, als Social Media noch ein Fremdwort war, brachten Reisende Andenken für die mit, die zu Hause bleiben mussten. Während manche die kleinen Überraschungen voll Vorfreude erwarteten, waren sie für andere, die selbst gerne mitgefahren wären, kaum mehr als ein Trostpflaster – eher dazu angetan, die Sehnsucht zu steigern, als sie zu stillen. 

Auch wir müssen im Moment noch daheimbleiben und uns gedulden, bevor an die nächste Reise zu denken ist. Nicht nur als Trostpflaster fürs Fernweh, sondern auch als Sehnsucht-Stiller für passionierte Kinogänger, die nun auf dem Trockenen sitzen, dienen deshalb folgende Film-Highlights! 

Ganz gleich ob Actionfilm, Western, Krimi, Liebesgeschichte, Kinderfilm oder Komödie – die Story spielt im Zug und die Reise mit der Eisenbahn eine Hauptrolle. Alle bieten beste Unterhaltung, die man sich über DVD oder als Stream auf den heimischen Bildschirm holen kann – und bei der nicht nur Bahnfreunden das Herz aufgeht. Übrigens: Filme sind mehr als ein Trostpflaster für entgangene Abenteuer. Sie helfen, die Sehnsucht zu stillen, weil man in sie eintauchen und dabei alles um sich herum vergessen kann.

Gute Stimmung für Groß und Klein

„Darjeeling Limited“ bringt jeden auf andere Gedanken. Der Film heißt wie der Zug, in dem drei Brüder aufeinandertreffen. Nur einer von ihnen kennt den wahren Grund der Reise, die quer durch Indien führt. Francis hat seinen Brüdern weisgemacht, es handle sich um einen spirituellen Selbstfindungstrip. Dabei ist der eigentliche Plan ein Wiedersehen mit der Mutter, zu der alle ein zerrüttetes Verhältnis haben. So verrückt diese Idee, so schräg, bunt und witzig ist diese amerikanische Abenteuerkomödie. Da dürfen auch die älteren Kinder mitlachen (FSK 6).

„Thomas, die fantastische Lokomotive“ dagegen ist ein Film ohne Altersbeschränkung, der schon den ganz Kleinen viel Spaß macht. Ihr Held ist Thomas, die fantastische, sprechende Lokomotive, die immer so lustige Gesichter zieht. Ihre Heldin ist Lily, die, weil sie den falschen Zug genommen hat, auf der idyllischen Insel landet, auf der Thomas und viele andere außergewöhnliche Bewohner leben. Das Abenteuer geht los, als sie ihr Paradies gegen die böse Diesellok Diesel 10 verteidigen müssen. Zu dumm, dass just dann die Vorräte des Schaffners an magischem Zauberglitzer verbraucht sind. Aber keine Sorge, das Happy End naht.

Der Klassiker, den man gesehen haben muss

Vier Mal wurde „Mord im Orient-Express“ nach dem gleichnamigen Roman von Agatha Christie bereits verfilmt, doch unangefochtene Nummer eins ist die Version von 1974 mit Albert Finney als Hercule Poirot und Lauren Bacall als Mrs Hubbard. Der Meisterdetektiv Poirot will eigentlich nur mit dem Orient-Express von Istanbul zurück nach London fahren, als ein Mord passiert und er die Aufklärung übernehmen soll. Der Film bezieht die Spannung daraus, dass Fahrgäste und Mörder im steckengebliebenen Zug festsitzen und niemand weiß, wer der Täter ist. Auch als Zuschauer ist man immer nur genau so weit, wie Poirot mit seinen Ermittlungen kommt. Obwohl man sich gemeinsam mit ihm den Kopf zerbricht, wird man von der Auflösung überrascht. Absolut sehenswert.

Vom Reiz des Pendelns

Wie viele würden liebend gerne wieder zur Arbeit pendeln, statt ans Home-Office gebunden zu sein. In „Der Liebe verfallen“ kann man diesem Wunsch nachhängen und gleichzeitig großes Gefühlskino mit Staraufgebot genießen. Robert De Niro und Meryl Streep sitzen als Frank und Molly täglich gemeinsam im Pendelzug nach New York, ohne sich zu kennen. Als beide zufällig im gleichen Geschäft ihre Weihnachtseinkäufe machen und dabei versehentlich die Päckchen vertauschen, beginnt eine Freundschaft, aus der mehr wird. Das Liebesdrama nimmt seinen Lauf, denn beide sind verheiratet. Wer es bislang noch nicht gewusst haben sollte, weiß es spätestens nach diesem Film: Pendeln hat seinen Reiz, in vieler Hinsicht.

Gefahr von allen Seiten

Im Remake des klassischen Westerns „Zähl bis drei und bete“ geht es zur Sache. Der „Todeszug nach Yuma“ soll den Outlaw Ben Wade, der nach einem brutalen Überfall auf eine Geldkutsche geschnappt wurde, ins Staatsgefängnis in Yuma bringen. Als Bewacher meldet sich Dan Evans, ein verschuldeter Farmer. So weit so klar. Mit dem Zug nimmt auch die Handlung Fahrt auf. Überall lauern Gefahren. Auf der einen Seite die Apachen, auf der anderen die Gang von Wade, die den Kumpel befreien möchte – und dazwischen die beiden ungleichen Männer. Da sie anfangen, füreinander Sympathie zu empfinden, kommt es zu überraschenden Wendungen. Ein Western, der dem Genre auch in der modernen Version alle Ehre macht.

Zurück ins Leben

Das allgegenwärtige Thema Klimawandel wurde durch Corona etwas in den Hintergrund gedrängt. Dem Südkoreaner Joong-ho Bong dient es als Ausgangspunkt für den Action- und Science Fiction-Film „Snowpiercer“. 2014 stand die Menschheit vor dem drohenden Hitzetod durch die Erderwärmung. Der Versuch, das Problem mit Kühlgas in den Griff zu bekommen, scheiterte und führte dazu, dass alles Leben auf der Erde erfror. Überlebt haben nur diejenigen, die sich in den Zug „Snowpiercer“ retten konnten. Angetrieben durch ein Perpetuum mobile rast der Zug nun seit 17 Jahren durch die vereiste Welt, Ausstieg unmöglich. Drinnen herrscht eine brutale Ordnung in einem gnadenlosen Zweiklassensystem. Unter den zusammengepferchten Menschen der armen Klasse bahnt sich eine Revolution an. Wird sie gelingen und vor allem, wer schafft es, das Tor zur Welt wieder aufzustoßen? Die Erlösung kommt nach 126 extrem spannende Minuten.

Passionierte Kinogänger, die nun Lust auf mehr bekommen haben, und solche, die es werden wollen, können übrigens einen Beitrag dazu leisten, dass die Filmtheater nach der Krise wieder nahtlos großes Kino auf der Leinwand zeigen können. Viele bieten die Möglichkeit, Kino on Demand als Stream zu bestellen. Das funktioniert so: Man geht auf die Internetseite, sucht sich den Film aus, den man haben möchte, bestellt ihn, und erhält einen Link der für einen vorgegebenen Zeitraum freigeschaltet ist. Egal, ob man alleine oder zu fünft zuschaut oder den Film gleich mehrmals laufen lässt – der Link kostet oft weniger als eine Kinokarte und hilft der gebeutelten Branche beim Überleben.

Magazin-Artikel veröffentlicht am 09.04.2020